Sonntag, 17. Juli 2016

Ein Sonntag wie dieser...

Es war ein Sonntag wie dieser...
Der Himmel Wolkenlos und die Sonne wärmte zünftig.
Wir,
meine Eltern, mein Bruder und ich,
 waren bei meinen Grosseltern zu Besuch.
 
Nach einer Anreise von 3,5 Stunden,
gab es zum Mittagessen die obligaten "Opa`s Elektrische Spaghetti Bolognese."
Nicht das diese anders gewesen wären als sonstige Teigwaren mit Tomatensauce,
Nein!
Der Name dieses Gerichtes lag eher an der Art,
 wie Opa in der relativ kleinen Küche herum wirbelte.
Allesamt sassen oder standen wir dort,
plauderten über dies und das,
einer deckte den Tisch,
der andere rieb Parmesan...
der nächste rieb die Weingläser für die Erwachsenen mit einem Tuch aus,
aber alle,
wirklich alle,
 beobachteten Opa bei seinem Tun.
 
Insbesondere nachdem Opa beim Vorletzten Besuch,
unter so einer Hektik das Spaghetti Wasser abschüttete und
 die dünnen Nudeln allesamt anstatt ins Sieb ins Waschbecken flutschten.
Unter grossem Gelächter von uns Kindern
und einem hochroten Kopf spedierte er dann das "Malheur" in die grosse Schüssel.
Sagte erst:
"So! Bolognese drauf, dann sieht man nicht mehr wo die gelegen haben." 
um dann selbst in grosses Gelächter zu verfallen.
"Da kommt halt jedes mal sein Italienisches Temperament zum Vorschein" 
meinte Nonna lachend.
und mein Bruder immer noch lachend:
"nein Oma -  Elektrisches Temperament"
 
Von da an bestellten wir bei jeder Ankündigung unseres Besuchs,
das Elektrische Menu.
Jeder in der Verwandtschaft wusste von was die Rede war.
 
Nach dem Essen positionierten sich mein Bruder und ich,
bei der Eingangstüre am Drücker.
Es wurde vorher unter uns die Reihenfolge ausgemacht wer wann,
 nach welchem Klingeln,
den Knopf betätigen durfte.
Und dann ging es los...
 
Stell dir vor,
Meine Mama hatte 7 Geschwister,
6 davon verheiratet oder liiert.
Meine jüngste Tante nur 7 Jahre älter als ich,
war meine liebste Spielgefährtin.
Manche der "Vergebenen" hatten auch schon Kinder.
Ein Onkel sogar 5.
Und genau dieser Clan fand sich dann,
 in der nun wirklich viiiiiiiiel zu kleinen Küche,
zu Getratsche,
Kaffee,
Sirup
und Küchen wieder.
Manchmal tranken die Erwachsenen auch Medizin.
So nannte Oma die Likörchen in den hübschen bunten Gläser.
(zwei blaue davon besitze ich heute noch)
 
Alle waren lustig, gutgelaunt,
wussten Geschichten über Geschichten
und wir Kinder sassen da und hörten mit grossen Ohren mit
oder kauerten im Flur.
und spielten mit Murmeln.
 
Irgendwer hatte irgendwann mal rausgefunden,
dass ein oder zwei Holzleisten des Parkett in Fischgradmuster lose waren.
diese wurden mit einer Nagelfeile vorsichtig heraus gehoben
und so hatten wir das Ideale Murmelloch zum Spiel.
Beim nächsten Besuch wurde dann mit dem Griff der Nagelfeile,
 auf den Hölzchen geklopft
 und so konnten wir orten welches die zu entfernenden waren. 
 
An diesem Sonntag kam zum ersten Mal der Wunsch auf,
auch mal eine Geschichte,
 in der grossen Runde,
 zum Besten geben zu können.
Ich wollte auch mal was erzählen,
dass alle Tanten und Onkels zum staunen, lachen oder schmunzeln bringen würde.
die Königsdisziplin wäre ja gewesen,
wenn daraus sogar eine Diskussion entstanden wäre.
Aber ich hatte nichts in Petto!
 
Irgendwann meinten meine Eltern:
"seit uns nicht böse,
aber wir müssen mal ein bisschen raus,
will noch jemand mit?" 
Alle anderen entschieden mit dem 17:00h Kuchen auf uns zu warten.
 
Wir fuhren in einen nahegelegenen Wald
und flanierten auf einem hübschen Weg.
Mein Bruder packte sich einen Stock
und schlug auf die Blätter der Sträucher die den Weg säumten.
"hör auf damit - weg mit dem Stock"
Mein Vater mochte es nicht wenn mein Bruder dies tat.
Auf jedem Spaziergang hörte ich die selben Worte.
"Man weiss nicht wen du mit deinem unkontrollierten Tun damit triffst,
plötzlich ist jemand verletzt."
 
"Und du!"
Nun war ich an der Reihe
"Du bleibst auf dem Weg,
schliesslich hast du heute dein Bestes Kleid an
und die Lackschuhe"
Auch wie immer - dachte ich...
 
Irgendwann war ich von der Art meines Vaters so genervt,
dass ich entnervt entgegnete:
"es macht überhaupt keinen Spass mit euch,
immer das selbe - nichts darf man"
 
"Du kannst ja da bleiben,
vielleicht nimmt dich wer mit,
der dir mehr entspricht."
Schrie mich mein Vater an.
Mama tat wie Tulpe
 und entzog sich mit einem "es geht mich nichts an" Gesicht,
dem Ganzen.
 
"Gute Idee!"
schrie ich meinem Vater entgegen.
 
Unterdessen waren wir an einem Tisch und einigen Bänken,
sowie einer Feuerstelle vorbeigegangen.
ich stieg trotzig auf die eine Bank
und setzte mich auf den Tisch.
 
"Was soll`s -
egal wenn mein Rock schmutzig wird.
Soll mich die Person die mich mitnimmt,
 mit einem fleckigen Kleid mitnehmen"
 
Ich sass da,
guckte in die zwischen die Blätter scheinende Sonne
und wünschte mir nicht zum erstenmal,
andere Eltern.
"Nie ist etwas recht"
brummte ich vor mich hin
"Sollen die sich doch ein anderes Kind adoptieren"
es rann mir eine kleine Verzweiflungsträne über die Wange.
 
Plötzlich fühlte ich mich beobachtet.
einige Schritte vor mir stand ein grosses Reh.
In der Ferne hörte ich noch meinen Vater,
der mit meinem Bruder weiter schimpfte.
Aber Augenblicklich waren ich und
das Reh das Zentrum dieses Waldes.
Ich traute meinen Augen nicht.
Um den Zauber dieses Moment nicht kaputt zu machen,
verhielt ich mich ganz ruhig.
Bewegte mich nicht und atmete kaum.
ich blickte in die wunderschönen Augen dieses Tieres,
welches nun ganz langsam auf mich zu kam.
Ganz nah bei mir,
schnupperte es an meiner linken Hand die bei mir im Schoss lag.
Guckte mich noch mal an
und dann....
 
knackte es im Gebüsch
und schwupps!
mit grossen Sprüngen war das Reh,
mein Reh... verschwunden.
Ich fühlte mich wie eine Waldprinzessin
und für einen Moment als etwas ganz Besonderes.
 
Ein paar Sekunden später,
 erschien schnaufend mein Bruder auf der Bildfläche.
Er rief schon von weitem:
"Papa hat gesagt, ich soll dich holen!"
Ein Satz den ich in den folgenden Jahren immer wieder mal zu hören bekam.
Mein Bruder wurde so eine Art Abgesandter meines Vaters
und Aufpasser, sowie Berichterstatter.
 
"Hey!" rief ich ihm aufgeregt zu
"Ich habe ein Reh gesehen.
Ein echtes Reh und es hat an mir geschnuppert.
Weisst du wie toll"
 
"Ich soll dich holen"
Wiederholte er sich.
 
"Hey Bruder ein echtes Reh"
sagte ich Nachdringlich.
 
"Wir müssen zurück zu Mama und Papa"
entgegnete er mir
 
Er war so unter Auftrag Stress,
dass er nicht aufnehmen konnte was ich ihm zu erzählen hatte.
 
Und soll ich dir was sagen?
 
Da hätte ich ja nun meine Geschichte für den Familienclan gehabt.
Denn wer wird schon von einem Reh auf Augenhöhe angeguckt
und auch noch beschnuppert?
Alles in der freien Natur.
 
Aber...
 meine Geschichte nach der Rückkehr zum Besten gegeben,
glaubte mir keiner der Tanten, Onkels, Nichten, Neffen,
nicht mal Oma und Opa.
 
Ausnahmslos alle,
 dachten ich hätte mir das ausgedacht.
 
So habe ich diese,
hier und Heute aufgeschriebene Geschichte,
nie mehr jemandem erzählt. 
 
Aber glaube mir,
grosses Indianerehrenwort,
SIE HAT SICH GENAUSO ZUGETRAGEN!
 
ich liebe Waldspaziergänge


Kommentar veröffentlichen