Donnerstag, 18. August 2016

Ador.

 
Es gibt unzählige Erlebnisse aus meiner Kindheit die ich nie vergessen werde.
Darunter gehören auch die längeren Aufenthalte bei meiner Taufpatin.
Diese fanden vor meiner Einschulung,
oder später in den Schulferien statt.
Aus dieser Zeit gäbe es 1000 Geschichten zu erzählen,
doch versuche ich mich heute einigermassen kurz
(hahahaha - weiss jetzt schon das ich es nicht einhalten kann)
und mit nur einem Teil zu befassen.
(uiuiuiui)
 
Ich kann nicht genau sagen für wie lange ich dort abgegeben wurde,
aber ich kann von mehreren Wochen am Stück reden,
das steht fest.
Fest steht auch,
wurde ich in meinem Dasein als kleiner,
etwas rundlicher Wanderpokal dorthin gefahren,
war meine Welt mehr als nur in Ordnung.
 
Das begann schon bei der Auffahrt zum Haus.
Es musste dazu an einer Einfahrt ein grosses Eisentor geöffnet werden,
dann mit dem Auto durch eine Allee von Äpfel- und Birnen,
Zwetschgen und Mirabellen Bäumen hoch gefahren werden
und ganz oben stand dann eine kleiner Villa.
Für mich sah diese Szenerie aus wie aus dem "Frau Holle" Märchen.
Wenn dann Tante Leonie uns noch fröhlich entgegen winkte,
war für mich alles perfekt.
Dazu brauchte es keine Federbetten mehr die geschüttelt werden mussten.
hihihihihi!
 
Links vom Haus waren Gemüsebeete zu sehen.
 So wunderschön bepflanzt und meist mit riesigen Tomaten,
wie aus einem "wie gärtnere ich richtig" Buch.
Nebendran Hasenstallungen (war halt früher so)
mit Belgischen Riesen.
Denen erzählte ich immer meine kleinen und grossen Sorgen.
Die armen!
hihihihi
 
Rechts vom Haus
 - Beerensträucher und Blumenbeete mit Sitzplatz.
Dort sassen an manchen Sonntagen nicht nur Tante und Onkel
bei Kaffee und Kuchen,
sondern auch ihre 3 Töchter mit ihren Partnern.
 (mein Lieblingsonkel Hans wurde schon in einem Blogeintrag mit dem Titel
Schutzengel 21.03.16 erwähnt)
War mein Bruder zu Besuch,
 zeigten wir an besagte Sonntagen irgend eine kleine Darbietung,
ein Tanz - ein Lied
oder eine Art Zirkusvorführung,
 bei der wir wilde Tiere oder Clown spielten.
Alle lachten und applaudierten.
Mensch war das ein Spass und so viel gute Laune.

Bat man mich als Kind das Haus und die Leute von dort zu malen.
war immer alles bunt mit viel Sonnengelb.
Die Gesichter der gemalten immer lachend,
begleitet von vielen Tiere.

Denn...

Trat man in das Haus ein,
befand man sich in einer grossen Empfangshalle.
Neben schweren Antiken Möbeln stand dort ein grosser Käfig.
Darin wohnte Fipps.
Seines Zeichens ein Totenkopfäffchen.
Fipps hatte auch hin und wieder Freigang,
war aber schwer wieder einzufangen.
Kein Wunder bei dem lautstarken Spass den wir dabei hatten.

Es sei denn.... man köderte ihn mit Karotten.
"Aber nicht zu viele, sonst muss ich mit ihm zum Arzt"
 mahnte Tante Leonie...
ne ne - keine Sorge.
Am nächsten Tag hatte Fipps dann Durchfall.
mmmmhhhh! grins!
Vielleicht doch 1 oder 2 Karotte zu viel?
Egal - schmunzel
erinnere mich nicht das Tante uns jemals geschimpft hätte.

Von der Empfangshalle ging man eine grosse breite Treppe hoch.
Meistens hörte man schon unten etwas fremdartige Laute.
Kreisch - Kreisch...
Einbrecher!!!
Schrie der grosse Ara wenn er was vernahm.
Sang dann einen Schlager,
der sich wie aus einem Grammophon Lautsprecher anhörte..
um dann als Nächstes,
 liebevoll "Küsschen - Küsschen" zu sagen.

Im nächste Moment verfiel er wieder in den Kreisch Modus
und schrie aus Leibeskräften
"Ador komm! Ador komm!

und dann kam er,
mein Freund und Kumpel Ador.
Endlich von Tante aus dem "Wartezimmer" zu meiner Begrüssung entlassen.
Er kriegte sich kaum ein
und ich mich auch.
Der bunte Vogel kreischte dazu
"Hiiiilfeee Polizei - Hiiiilfe Polizei"
Was soll ich sagen?
Es war ein Spektakel.

Apropos!
dieses "Ador komm" Spielchen ging fast den ganzen Tag über.
Der Vogel hielt Ador,
 seines Zeichens grosser schwarz brauner Hund,
 ganz schön auf Trab.
Den er gehorchte dem Vogel aufs Wort.
Schrie dieser:
"Hilfe Polizei"
rannte Ador zur Eingangstüre.
Schrie er:
Komm!
rannte er zum Käfig
 und wartete mir schräg gehaltenem Kopf auf ein neues Kommando.
Ein Befehl der aber immer der Selbe war.
Es hörte sich an als hätte eine Schallplatte einen Sprung.

Zwischendurch -
zum Beispiel nach dem Mittagessen,
wurde Coco`s Voliere mit einer Decke abgehängt.
Nun war Ruhe im Karton.
Ador bekam nun eine andere Aufgabe.
Kurzerhand wurde er zum Bodygard benannt.

Tante hielt nämlich jeden Mittag ein Schläfchen
und da ich nicht dazu zu bewegen war,
es ihr gleich zutun,
hatte sie mir irgendwann mal gezeigt,
 wie man mit Zeitungspapier
Schiffchen, einen Hut oder Blumen bastelt kann.
Sterne falten, Tüten kleben oder einfach zu malen.

Immer dabei Ador.
Liegend neben mir bekam er auch Hütchen auf,
Oder Zeitungsschühchen...
Er liess alles mit sich machen.
Bewegte ich mich allerdings weg,
folgte er mir wie ein Schatten.

Tagsüber im Garten das selbe,
wo ich war - war Ador.
Manchmal,
 schliefen wir zusammen auch einfach während des Bastelns ein.
Tante war Glücklich so einen zuverlässigen Nanny zu haben.
(Sorry! weiss nicht wie die männliche Form von Nanny heisst)

Ganz schlimm wurde es,
wenn ich nach Wochen von meinen Eltern wieder abgeholt wurde.
Ador hat sich x mal losgerissen,
aus Räumen ausgebrochen
um dann dem alten VW Käfer hinterher zu sputen.

Bei den ersten malen
Schrie Mama Papa an:
"Halt an - Ador rennt hinter her."
und Papa meinte genervt:
Ach was!
Ich geb einfach Gas!
Und drückte auf die Tube.
Unterdessen knieten mein Bruder und ich auf der Bank und riefen aus dem Rückfenster
"Hopp Ador - Hopp Ador"
Irgendwie kommt es mir nun so vor,
 als wären wir menschliche Coco`s gewesen.

An der Ampel hatte Ador uns dann eingeholt,
umrundete bellend das Auto.
Mein Vater war so was von genervt.
Machte die Autotüre auf,
klappte den Sitz um und
spedierte uns den Hund in den engen Raum.
Ich erinnere mich an einmal,
es muss das erste oder zweite mal gewesen sein,
dass Tante und mein Vater richtig Stress mit einander bekamen,
weil Ador vom hinterher rennen blutige Pfoten davon trugen.

Für den Hund wurde dann irgendwann eine dicke Eisenkette angeschafft.
Es war die,
 an welche er angehängt wurde bevor wir das "Frau Hollehaus" verliessen.
Ador heulte Herzzerreissend und ich weinte die ganze Fahrt lang.
(fast 3 Stunden)

Schnieff! Schneuz und Moment - muss rasch....

So nun geht's wieder!
irgendwie holt mich das Ganze grad wieder ein.

So!
alles wieder Paletti

Nach Ador ....und Onkel Hans Tod
kamen einige andere Hunde in Tantes Leben,
 um eine Begleiter Rolle zu spielten.
keiner mehr so gross,
so schwarz mit braun wie Ador.
Ein gut erzogener weisser Westhighland Terrier,
 lernte ich mal bei einer Stippvisite kennen.
Das Frau Holle Haus wurde verkauft
und anstelle kam eine kleine gemütliche 3 Zimmer Wohnung.

Tante meinte damals
"ach weisst du...
wenn du ein gewisses Alter hast,
muss alles klein und praktisch sein.
Manchmal ist es Dickköpfiger,
 aber Handlicher."
Damit meinte sie den weissen Puschel an ihrer Seite.


Unendlich viele Jahre waren vergangen.
Viele Jahre ohne Kontakt zu meiner Tante oder ihren Töchtern.
Warum?
Ich entsinne mich nicht.
Eines Morgens wachte ich auf
und hatte das Bedürfnis meiner Tante eine Dankesbrief zu schreiben.

Ein Danke für die Wunderschöne und Sorgenfreie Zeit damals,
in ihrem Heim,
 als ich klein war.
So tat ich es auch.
Einige Tage später klingelte das Telefon
und etwa 2 Stunden Erinnerungen wurden wie Pingpong Bälle durch die Hörer,
von Tante und mir geschoben.

"Ach! Du erinnerst dich an Ador?"
sagte sie mit einer alten Stimme.
"Das war ein feiner Kerl,
dein Beschützer...
Ich habe immer zu ihm gesagt"
erzählte sie
"pass auf das Engelein auf
und das hat er dann mit vollem Einsatz gemacht.
So einen tollen, Verrückter,
 aber auch grossen Hund hatte ich nie mehr wieder.
Ein richtiger Apparat von einem Rottweiler Rüden."

Wenige Monate nach diesem Gespräch ging Tante Leonie,
zu Onkel Hans und Ador,
bestimmt auch zu Fipps dem Äffchen
und Coco dem Schreihals,
 über die Regenbogenbrücke.

In meiner Fantasie leben sie in einem "Frau Holle" Haus,
wie es nicht schöner sein könnte,
Glücklich und zufrieden,
mit alldem,
 wie hier beschrieben.
Aber vor allem mit meinem Ador!

DANKE!
 winke-winke und wedel-wedel ins Jenseits.

 
Kommentar veröffentlichen