Mittwoch, 7. September 2016

Geruchs Erinnerung...

Dieses Erinnerungsbüchlein ist flow beigelegt.
Einem Magazin, das sich Zeit nimmt.
 
so hielt ich also heute Morgen dieses Büchlein in den Händen.
Geschenkt von meiner Freundin.
Ich liebe solche Dinge und das weiss sie auch.
 
Als ich das Heft,
welches sich Büchlein nennt wahllos öffnete,
sprang mir der Satz:
 
"Das riecht nach Urlaub!
Erinnere Dich an die Ferien,
die ihr gemacht habt.
Wie roch das Ferienhaus?
Das Hotel?
Der Strand?
Die Bergluft?"
 
ich blätterte zurück
und da stand:
 
"Wie roch es draussen:
Kannst du dich an einen Wintergeruch
oder Sommergeruch erinnern?"
 
als hätte man auf einen Knopf gedrückt war ein Bild aus der Vergangenheit da.
Eine Komponente aus den Beiden Fragen,
liess mich ins Alter von etwa 12 Jahren beamen.
 
Stell Dir vor:
 
Urlaub mit der Familie,
einige Tage die mit dem bescheidenen Budget gestemmt werden konnten
So landeten wir auf einem Hof,
der zu Urlaubszwecke gemietet werden konnte.
Die Umgebung sanft Hügelig,
lag im Licht der Herbstsonne.
Ein bisschen so wie Heute morgen,
 hier bei uns.
 
Der Geruch,
war ebenfalls Herbstlich.
Das zum letzten Mal in dem Jahr gemähte Gras,
 roch anders als im Sommer.
Viel feuchter und nicht mehr nach dem Sommerheu.
Alle Blumen rund um den Hof waren in voller Blüte
und zum Teil der Punkt des Ablebens schon erreicht.
Dafür Samenstände für das kommende Jahr tragend.
 
An einigen Obstbäumen waren Leitern angestellt.
Dort konnte man beinahe den Satz rufen hören:
"so rüttle mich und schüttle mich"
Denn die Früchte hingen pflückbereit in den Laubkronen.
 
In der Mittagsonne tummelten sich viele Insekten.
Ganz emsig -
 bevor sie die Kälte zu anderen Massnahmen zwingen würde.
Eine Katze lag auf einem Bank und genoss die Wärme.
 
 Das Haus selber hatte ein tief herunter gezogenes Dach.
man fühlte sich sehr geborgen,
konnte sich auch bei schlechterem Wetter draussen aufhalten,
ohne nass zu werden.
Ideal für Familien mit Kinder.
So wie wir das waren.
 
Gegenüber vom Eingang plätscherte ein Brunnen.
Unsere einzige und deswegen wertvollste Quelle.
Dort wusch man sich,
holte Wasser zum kochen
oder trank einen kühlen Schluck direkt vom Hahn.
Manchmal zeitgleicht mit einer Kuh,
 welche dort aus dem Trog das Wasser hörbar ansaugte.
 
Im Inneren,
tiefe kleine Räume.
Holzofen zum Kochen.
Eine Ofenbank mit einem Riss in der Sitzplatte.
auf der,
wenn man nicht aufpasste,
sich das Feuer durch den Riss schlängelte
und biss sich am Hintern fest.
(Bei meinem Bruder)
 
Elektrizität war ein Fremdwort in dieser Behausung.
Keine Schalter,
keine Lampen,
kein TV,
ein kleiner Batterie betriebener Radio,
 mit einem schlechtem Empfang,
dies wäre das Glied zur Aussenwelt gewesen.
Wir benutzten ihn nicht.
Machten abends bei Petrol und Kerzenlicht stattdessen Spiele.
Eile mit Weile...
Witzig!
Diese 3 Worte erhielten dort eine ganz andere Gewichtigkeit.
 
An die Schlafstätte kann ich mich nicht mehr richtig erinnern.
Ausser das es Nachts kalt war,
wenn nicht zu sagen
"Saukalt"
Und dass es in diesem Haus aus Holz,
 immer wieder mal knackte,
was uns zu Geistergeschichten hinreissen liess.
So heftige,
dass ich unter der Doppel Lage aus Feder- und Militärdecke,
 mit Angst einschlief.
 
Selber schuld!
Lachte Mama am nächsten Tag,
wenn wir einander zu verpetzen versuchten.
 
In der Nähe wohnten die Besitzer dieses alten Bauernhauses,
mit einigen kleinen Kindern,
Hund und einer Hähnchen Farm.
Nach Besichtigung dieser riesigen Halle,
 mit hunderten von flauschigen Küken.
Liessen sich mein Bruder und ich überreden,
in den nächsten Tagen dort als Mitarbeiter anzutreten.
 
Das sauber machen,
füttern und das eine oder andere tote Küken auszusortieren,
brachte uns eine minimale Entschädigung bei der Bezahlung des Ferienhauses.
Trotzdem waren wir stolz,
etwas beigetragen zu haben.
Nach einer Woche hatten wir jedoch beide
- heute würde man sagen -
Schnauze voll!
Nicht zu Letzt weil wir nun plötzlich checkten,
was mit diesen süssen Knäueln nach wenigen Wochen passiert.
Poulet wurde nach dieser Einsicht über Monate von uns nicht mehr gegessen.
 
Die restlich verbleibende Woche streunten wir lieber im Wald
und auf den Feldern umher.
streichelten Kälber,
bauten mit Ästchen Burgen,
stauten den Bach,
verstopften den Ablauf des Brunnens,
bis dieser Überlief.
Anpfiff des Vaters inklusive,
 
spielten mit der Katze,
fuhren mit auf den Bauernmarkt zum einkaufen.
Oder dachten uns Geschichten aus,
die wir dann zu malen
oder nach zu spielen versuchten.
 
Es waren ganz tolle Ferien.
Ferien von denen andere gesagt hätten,
"Da hatte es ja nichts"
 
DOCH!
es hatte sooooooo viel!
 
Auf jeden Fall genug
und noch mehr,
dass ich durch den heutigen Impuls des Flow Heftleins,
fast 50 Jahre später,
so viel darüber erzählen kann.
 
Ich könnte noch mehr...
hihihihi
lass es aber für heute gut sein.
 
Ach ne!
etwas sei noch gesagt:
Als wir nach Hause zurück kehrten,
rochen wir nach Rauch,
Stroh und ein bisschen nach Kuhfladen.
 
Für längere Zeit war....
ein Lichtschalter,
das Wasser aus dem Hahn,
die Heizung,
der Fernseher,
ein Radio das Rauschfrei sendete
und das Kochen am Elektroherd,
etwas gaaaaaanz Wertvolles.
 

wenn die Erholung aus Natur besteht,
macht man bestimmt nichts falsch.
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