Dienstag, 25. Oktober 2016

Fairytaile (1)

Sie ging Schritt um Schritt,
 als Teil einer Menschen Kolonne,
 auf einer Treppe die unendlich lang und steil in die Tiefe führte.
Irgendwie hatte das Ganze etwas Unheimliches.
Von unten her, hinter einer schweren Eisentüre,
ertönten dumpf die Bässe im Rhythmus der Musik.
Alle Gehenden waren irgendwie in freudiger Erwartung.
Gestempelt mit einem Elfenzeichen auf dem Handrücken.
 
Ihr schien es für einen Augenblick,
als würde sie im Zeitlupentempo in die Hölle gehen.
Boum - Boum - Boum
klang tief der Sound von unten
und jedes mal wenn sich die Tür öffnete,
 wurde der Takt um einige Sekunden noch lauter.
Ein Sound der sich in der Magengegend spüren liess.
 
Es war so eng auf der Treppe,
weil sich immer wieder Personen,
 auch von unten herkommend,
 an ihr vorbei drückten.
Menschen die meist so aussahen,
 als hätten sie schon Stunden im Fegfeuer getanzt.
Wortfetzen:
"frische Luft - Zigarette"
konnte man aufschnappen.
 
Genau da wollte sie auch hin.
In die Tanzhölle -
welche sich irgendwie unpassend Fairytaile (Märchen) nannte.
Die Bezeichnung ihres Outfit`s stand ebenfalls auf einem ganz anderen Blatt.
Es war wie fast immer in Schwarz gehalten,
Enger längerer Rock, Bluse, eine Perlenkette und Ohrringe.
Strümpfe mit Naht,
 spitze Bleistift Absätze
 und eine passende Handtasche.
Ihr Haar Pechschwarz,
ihre Lippen Knallrot.
Blass und mit Lidstrich.
 
Sie zählte sich,
zumindest an gewissen Tagen zu den Teddy`s.
Eine Clique von jungen Menschen,
 die sich den 50igern verschrieben haben.
Doch eigentlich war sie eher eine Einzelgängerin.
Man sagte ihr nach, sie sei
Hochnäsig und unnahbar.
Doch in Wirklichkeit war sie Scheu und Misstrauisch.
Sie war mit einer Ausnahme die älteste dieser Gruppe.
Die Einzige mit einer eigenen Wohnung.
Eine kleine 2 Raum Mansarde unter dem Dach.
Vollumfänglich,
 mit Möbeln und Gegenständen aus den 50igern eingerichtet.
 
Einen Partner hatte sie im Moment nicht.
Wollte sie auch nicht,
die letzten Kurzzeit Beziehungen hatten gereicht.
"Männer!
Bha!
Männer!
Brauche ich nicht."
Klang es aus ihrem Mund mit den roten Lippen.
"Zudem gibt es keine richtigen Männer.
Alles Bubi`s.
Es geht auch ohne!!!"
Bei diesem Satz blitzten ihre Augen und
 etwas Trotziges erschien in ihrem Ausdruck.
 
An diesem Nachmittag,
 stand sie mit ihrer Freundin auf der besagten Treppe.
Sie mochte dieses Mädchen,
auch wenn sie ihr manchmal,
 mit ihrem lauten Gehabe auf den Nerv ging.
Das über ihre Freundschaft gelacht wurde,
das wusste sie und es war ihnen nicht zu verdenken.
Das Erscheinungsbild hätte nicht unterschiedlicher sein können.
Sie selbst,
grad 20 Jahre, 163 - knappe 50 Kilo, introvertiert.
Ihre Begleitung
grad 18 geworden, 178 - dünn und extrovertiert,
dementsprechend auch bunt gekleidet.
Doch es war ihr egal ob
 und wie sich die Leute darüber amüsierten.
"sollen sie doch"
Da war wieder der Trotzige Ausdruck.
 
An diesem Nachmittag,
auf dieser Treppe,
in all den Leuten,
der Enge und dem Gestosse,
blickte sie plötzlich in ein Gesicht,
das sie nicht hätte frecher angrinsen können.
Ein Gesicht,
voller Sommersprossen,
umrahmt von Karottenroten langen Zapfenlocken.
Blaue strahlende Augen,
auf dem einen, ein grosser schwarzer Stern gemalt.
Das bemalte Auge tränte.
"wohl was ins Auge bekommen"
dachte sie etwas Schadenfreudig
 
Der Typ,
in der Kolonne von unten her kommend
und der sie nun beinahe kreuzte,
rief er ihr etwas zu.
 
Sie verstand es nicht, es war zu laut.
Irritiert und verunsichert darüber,
 lachte sie ihn aus...
machte sich mit einem Satz,
 über dem Stern auf dem Auge lustig.
Wusch!
Der für sie eigenartige Moment
und der Typ waren an ihr vorbei.
Doch irgendwie war etwas passiert.
Komisch!
Sie konnte es nicht benennen.
 
Von hinten griff eine Hand auf ihre Schulter
und ihre Freundin zischte ihr ins Ohr.
"Lass die Finger von dem,
ich kenn den.
Der bringt dir nur Unglück.
Ein guter Frauentröster,
wenn du Kummer hast.
Aber sonst für die Tonne"
 
"Ach - Du weisst doch,
ich will im Moment keinen Kerl,
schon gar nicht so einen"
entgegnete sie ihr.
 
Endlich -
sie hatten es geschafft.
Die schwere Eiserne Tür war erreicht.
Der riesige Raum lag im Dämmerlicht vor ihnen.
Es wimmelte von Menschen wie in einem Bienenhaus.
Die Luft war feucht und warm und es roch nach ausgiebigem Tanzen.
 
Auf der Bühne holten einige kurios gekleideten Männer,
 ihre Instrumente aus ihren Koffern.
Richteten sich zum Konzert ein.
Eine Musik die nichts mit den 50iger zu tun hatte.
Sie blieb trotzdem
und hörte wie nach einigen Minuten ein unsichtbarer Ansager verkündete:
 
Lady und Gentlemen,
i am proudly present
 
 
Fortsetzung der Geschichte folgt
 
Kommentar veröffentlichen