Donnerstag, 27. Oktober 2016

Fairytaile (3)

"Hey Kleine!"
Rief Yolande in den Verkaufsraum
"Hast Dir gestern Abend jemand anglacht?"
Sonst hörte Sie den Elsässer Dialekt von Yolande,
Ihrer lieben Kollegin,
sehr gerne
doch das war etwas peinlich.
Ihre letzte Kundin war auf dem Weg zur Rolltreppe
und weitere Damen flanierten zwischen den Kleiderständern.
"Du müesch jetz nit rot were - kumm verzell"
lachte die Elsässerin.
 
"Es gibt nichts zu erzählen,
ich habe niemanden kennengelernt.
Zumindest niemand der weiss wo ich Arbeite
oder wie ich mit Nachnamen heisse."
Entgegnete Sie etwas zornig.
 
"Aber do isch ene am Telefon,
der dich verlangt.
Dr Kundedienst hat ihn durchgschtellt"
Yolande drosselte die Lautstärke nicht,
im Gegenteil,
sie witterte eine heisse Story
und wäre nun echt daran interessiert gewesen alles darüber zu erfahren.
Aber es ging ihr einfach zu langsam.
 
"Für mich jemand am Telefon?
Das muss ein Irrtum sein"
griff zum Telefonhörer und musste zuerst schlucken,
Ihr Mund war so trocken.
Der Kopf ratterte.
Wer erlaubt sich hier einen Scherz mit ihr?
 
"Hallo!"
hauchte sie etwas zaghaft
"Hallo"
 
"Endlich habe ich dich gefunden"
hörte sie am andern Ende
"Es war nicht einfach,
hab die ganze Einkaufsstrasse runter telefoniert
und nur mit deinem Vornamen...
Es war nicht einfach.
was für ein Glück,
das ich dich gefunden habe."
 
Sie schluckte erneut.
Das war der Kerl von gestern Nacht.
Der mit dem Motorrad und
dem Kaffee,
dem Kuss...
 bei ihr zu Hause.
"Was hast Du?"
fragte sie noch einmal ungläubig
 
"Na, ich hab oben an der Einkaufstrasse mit dem Telefonieren begonnen
 und in allen Konfektions Läden,
 nach einer Verkäuferin mit deinem Vornamen gefragt.
Wollte dich unbedingt fragen,
ob du heute Abend Lust hättest dich mit mir zu treffen?
Um 20:00h vor dem Eingang des Farytaile?
Wäre das ok?"
Fragte er etwas aufgeregt.
 
"Mist"
was sollte sie sagen?
 
"Hallo"
 rief er in den Hörer
"Wäre das ok um 20:00H?"
 
"ja gut - ich muss jetzt aber,
sonst bekomme ich Ärger mit der Leitung,
es ist nämlich nicht gestattet,
 persönliche Telefonate während der Öffnungszeit zu führen.
Tschüss - bis dann!"
Sie hörte noch ein knappes Ciao
und dann lag der Hörer schon auf dem Apparat. 
 
Mensch war ihr das peinlich.
Auf der anderen Seite...
mmmhhhh -
sowas hatte noch nie jemand für sie gemacht.
Er hat mich gesucht.
 
Yolande stand neben ihr,
trat von einem Bein aufs andere und
platzte fast vor Neugier.
"Komm erzähl"
Forderte sie auf
"Gäll - du hast einen Neuen?"
 
"Ach was!
giftete Sie Yolande an
"Ich hab keinen Neuen,
ich hab mit jemandem Kaffee getrunken
und der möchte sich nun mit mir treffen."
 
"Aha!"
lachte Yolande laut
"Kaffee getrunke,
ja ja ja!
dabei zwinkerte sie mit dem einen Auge.
Und?
"Gehst du hin"
 
"Weiss ich noch nicht,
aber ich lass es dich wissen"
Entgegnete sie Yolande etwas zickig
 
Sogar auf dem Nachhause Weg,
im Tram war sie noch hin und her gerissen,
ob sie sich wirklich mit ihm treffen soll.
Er war ja schon nett,
aber so gar nicht ihr Typ.
Ihr Beuteschema war schwarzhaarig - dunkeläugig,
eher Südländer.
 
Zu Hause angekommen rief sie die Freundin ihres Bruders an
und erklärte ihr die Situation.
Bat sie,
um 20:00 ebenfalls an den Treffpunkt zu kommen.
"Weisst du - wenn es mir nicht passt,
können wir zwei dann einen tollen Abend an der Herbstmesse verbringen.
 
Die Herbstmesse dauert 10 Tage und
während dieser Zeit sind in der ganzen Stadt auf diversen Plätzen,
Bahnen, Riesenrad und Essstände.
Das richtige um den Kopf frei zu bekommen
und der Tummelplatz der jungen Leute.
 
Was soll ich erzählen,
Abends kurz vor 20:00 stand sie am besagten Treffpunkt.
Die Freundin des Bruder`s im Schlepptau.
"ich weiss gar nicht mehr wie der aussieht"
Etwas Panik lag in ihrer Stimme
"Ach!" sagte die Freundin
Der wird dich auf jeden Fall erkennen.
Einer der in der halben Stadt nach Dir rum telefoniert.
Der weiss ganz genau wie DU aussiehst"
 
So war es dann auch.
etwas weiter weg rief plötzlich jemand ihren Namen.
"hä?
Sie packte unbewusst die Hand der Freundin
"Der sieht ja ganz anders aus.
das ist nicht der von gestern Abend.
Oh Gott!"
Sie war echt nervös
 
Ihr gegenüber stand ein junger strahlender Mann,
frech grinsend.
Kurze Karottenrote Haare,
rasiert,
in einem eleganten Jacket, Jeans
und schicken Schuhen.
 
"Wo hast du deine langen Locken gelassen"
fragte sie erstaunt und dann etwas frech
"ah - heute nicht in Crossstiefel mit Mama Pullover?"
 
"Na - ich hatte heute viel zu tun"
strahlte er wie Weihnachten
Frisör - Kosmetikerin und Manicure
schliesslich treffe ich mich nicht mit irgend wem,
sondern mit Dir"
 
Sie, war perplex
und trotzdem klingelten im Hinterkopf die Alarm Glocken.
Vorsicht - Vorsicht!
 
"Also - ich habe gedacht,
wir könnten ins Opera was trinken
und anschliessend an die Herbstmesse"
erklärte er
"ist das ok?
 
Auch das war für sie ungewohnt,
jemand der einen Vorschlag brachte
und Klartext sprach.
Sonst war sie die in der Clique,
 die solche Ansagen machte.
 
"ok - ich hoffe,
es macht nichts aus,
das mein Freund,
 ihr Bruder - auch im Opera ist?"
brachte sich die Freundin ein
 
"Ach - ja,
übrigens, das ist Nadine die Freundin meines Bruders"
erklärte sie immer noch nervös.
 
"ne - ist ok. Umso mehr Leute um so lustiger wird es."
Erklärte er.
 
So gingen sie gemeinsam ins Opera.
Ihr Bruder musterte ihn von Oben bis unten mit einem Adlerblick.
Warnte sie flüsternd ins Ohr,
"pass auf - der macht dich unglücklich,
das ist ein Bluffer und Blender.
Ich kenn die Typen,
sind immer die selben."
 
Sie zischte ihrem Bruder zurück
"hallo - das lass mal meine Sorge sein,
schliesslich sind wir nur befreundet - kleiner Bruder"
und guckte ihrem 184 Meter grossen Gegenüber direkt an.
"es ist nicht deine Aufgabe mich bei jeder Bekanntschaft zu warnen"
 
Irgendwann war ihr die Konstellation zu nervig.
Kickte mit ihren spitzen Pumps,
 ihren Verehrer unter dem Tisch sanft ans Bein
und zeigte ihm mit Blicken:
"komm lass uns abhauen"
 
Das taten sie dann auch relativ zügig.
Draussen - lachte sie,
als hätte man sie aus der Höhle des Löwen befreit.
Sprangen Hand in Hand,
auf das nahende Tram und machten sich auf den Weg zum Rummelplatz.
Dort assen sie eine Bratwurst,
kauften Zuckerwatte,
und er schoss ihr einen kleinen Glücksbringer und ne Rose.
 
Sie verstanden sich echt gut
und sie lachten viel.
Er zwang sie auch nicht auf irgendwelche Bahnen.
Es würde ihm immer übel.
"Was für ein Glück"
dachte sie,
da entfiel das sich erklären müssen,
 warum sie auch nicht auf diese wollte.
 
Es war schon spät,
 als sie in Richtung mittlere Brücke schlenderten.
Er erzählte ihr gerade,
dass er für sein Leben gerne tanze.
"Was ein Mann der gerne tanzt,
das ist eher eine Seltenheit."
stellte sie bewundernd fest.
Was tanzt du denn so?
fragte sie mit einem Augenaufschlag
"Na - alles..."
Antwortete er keck
"von Foxtrott bis Kopfschüttler
oder auch Walzer"
 
"Waaaas Walzer?
Das habe ich noch nie getanzt.
Ist bestimmt schwierig?"
meinte sie
 
"Nein - gar nicht!"
Er packte sie sanft,
zeigte ihr kurz den Grundschritt
und wie sie die Hände halten muss
und dann tanzten die Beiden,
als würde ihnen die Welt alleine gehören
über die Mittlere Rheinbrücke.
Samstag Nacht,
der Himmel voller Sterne
und selbst wenn kein Stern zu sehen gewesen wäre.
Es leuchteten genau in diesem Moment die STERNE.
 
In den vorbei ratternden Trams konnte man Menschen sehen,
 die ihre Nase fast an der Scheibe plattdrückten
und sich über das sich bietende Bild der Beiden tanzenden erfreuten. 
 
Ausser Atem und lachend erreichten sie das Ende der Brücke,
plötzlich war ihnen die Situation die sie andern geboten hatten bewusst.
"Macht nichts"
Sagte er keuchend
"Die möchten nun auch alle tanzen
und trauen sich nicht.
 
Und weisst du was das Gute dran ist?
Wenn wir heiraten,
 kannst du nun den Hochzeitswalzer"
lachte ihr zu und fragte dann
"Hast du kalt meine Kleine?"
 
Mmmm!
sie nickte mit dem Kopf.
"Aber macht nichts,
wir sind ja Bald bei der Tramhaltestelle,
dort nehme ich dann den 6er um nach Hause zu fahren."
während sie sprach hatte er schon seine Jacke ausgezogen
und sie ihr um die schmalen Schultern gelegt.
 
"Er sieht schon gut aus!"
dachte sie bewundernd
"mit seinen roten Haaren,
den vollen Lippen,
den Bergsee blauen Augen
und dem weissen Hemd"
 
Gab ihm flüchtig einen Kuss,
und seine Jacke zurück
und rannte,
"Wir hören uns"
rufend
aufs Tram.
 
(Fortsetzung folgt)
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