Mittwoch, 26. Oktober 2016

Fairytale - (2)

Seit dem Konzert, 
der damals noch unbekannten Gruppe Kiss,
waren Wochen vergangen.
Es war tiefster Herbst.
Sie,
 war unterdessen 20 geworden.
Ein Geburtstag den sie,
 wohl in ihrem ganzen Leben nie vergessen würde,
obwohl sie nicht daran erinnert werden wollte.
Nicht weil er so berauschend gewesen wäre.
Nein -
Ganz im Gegenteil,
ihr Bruder war der Einzige welcher ihr dazu gratuliert hatte.
Sogar eine kleine vergoldete Uhr hatte er vorbei gebracht.
Eine Uhr,
 die sie unendlich viele Jahre,
 immer noch fein säuberlich verpackt aufbewahrte.
Die Familie...
....hatten den speziellen Tag,
Ihren speziellen Tag,
 einfach vergessen.
"Was soll`s..."
Dachte sie mit Tränen in den Augen
und dem trotzigen Gesichtsausdruck,
"ich brauche die nicht zu meinem Glück."
Und die von der Clique?
Denen hatte sie ihr Geburtsdatum gar nie verraten.
Denn damit wäre fest gestanden das sie eine der ältesten ist
und sie wollte auf gar keinen Fall als alte Tante abgestempelt werden.
Sie tröstete sich mit dem Gedanken,
das nun ganz andere Dinge als ihr Alter wichtig sind,
denn schliesslich war sie in eine grössere Wohnung gezogen.
Ein 3 Raum Heim,
mit grosser Küche und Bad.
Nicht mehr Kalt im Winter und Heiss im Sommer,
gut Isoliert - nicht mehr unter dem Dach.
Gut - es war im selben Haus,
über das täglich mehrere Flugzeuge hinweg donnerten
und manchmal das Geschirr im Schrank klapperte.
Aber,
 es war mit ihrem bescheidenen Verdienst doch eine Steigerung.
So kaufte sie auch die Möbel in der Brockenstube,
laugte ab - strich neu und
machte damit ihr zu Hause zu ihrem eigenen Bijou.

Freitagabend.
Sie...
schlenderte in den Räumlichkeiten des Fairytaile umher.
Vielleicht würde sie irgend ein bekanntes Gesicht entdecken.
Doch so richtig war hier der Betrieb noch nicht am Laufen.
Es war mit 21:00h einfach noch zu früh.
Gerne hätte sie sich eine Cola bestellt,
doch so Ende Monat war ihr Budget reichlich erschöpft.
Es hatte grade mal noch für den Eintritt gereicht.
"Mal schauen" dachte sie
"Vielleicht ist ja jemand an der Bar den ich kenne
und mir eine Cola spendiert"
Im hintersten Raum an der Bar sass tatsächlich jemand.
Die Person dreht sich um und
 musterte sie von oben bis unten und
grinste sie frech an.
"Na Du - ohne Stern? Fast nicht erkannt"
bluffte sie den Typen mit den Karottenroten Locken an
"Ja - ich!"
Entgegnete er ihr
"Brannte ja wie Sau,
als mir die schwarze Farbe ins Auge lief"
Sie etwas hochnäsig
"man muss ja auch nicht alles tun um aufzufallen"

"Ach" stöhnte er
"es geht mir heute nicht wirklich gut,
irgendwie bin ich traurig"
Und dann erzählte er ihr,
dass er seine 4 jährige Ausbildung frisch abgeschlossen und
 heute seinen ersten richtigen Lohn erhalten hätte.
Das sei ein rechter Batzen und
er wisse jetzt gar nicht was er damit anfangen soll.

"Also ich wüsste was ich damit tun würde -
erst würde ich eine Cola bestellen,
dann ein Burger und
dann käme mir bestimmt noch was in den Sinn."
erzählte sie ihm keck.
"Denn ich verdiene, obwohl ausgelernt,
so wenig dass ich immer gucken muss,
 dass es bis Ende Monat reicht."

Der Typ der sich unterdessen mit seinem Namen vorgestellt hatte,
 bestellte eine Cola und einen Burger.
Beides wurde vor ihr hingestellt.
Das anfängliche anbluffen,
wich einer richtig netten Unterhaltung.
Sie scherzten und lachten und als er ihr sagte:
"Dich werde ich eines Tages heiraten"
Lachte sie laut auf und sagte:
"Junge - Du bist zwar nett,
hast aber einen an der Waffel.
Denn ich heirate nie
und vor allem nicht dich."

Die Zeit war fortgeschritten,
als sie anmeldete, dass sie sich nun verabschiede,
da sie morgen früh raus müsse.
Sie arbeite neu in der langen Einkaufsstrasse der Stadt.
Als gelernte Frisörin und Kosmetikerin mit Allergie,
 nun als Konfektionsverkäuferin,
und könne es sich nicht leisten,
zu verschlafen.
Dies weil sie zu lange mit ihm rumgehangen wäre.
Er dachte kurz nach und fragte sie:
"Frierst du gerne"
Sie: "Hääää? Was soll das jetzt wieder?"
Er: "Na ich würde dich nach Hause fahren,
bin aber mit dem Motorrad da."

"Ach, das ist aber nett
und das macht mir gar nichts aus."
Ehe sie es versah gab er ihr einen langen,
 braunen Pullover
und seinen Helm.
"Den hat meine Mama gestrickt"
grinste er sie an.
"Und ohne Helm nehme ich dich nicht auf mein Motorrad,
schliesslich bin ich ab jetzt für dich verantwortlich."

Etwas später stieg sie vor ihrem Haus ab.
"Magst du noch einen raschen Kaffee?
Dann kannst du mit nach Oben kommen."
Na klar - das wollte er sich doch nicht nehmen lassen.
"Du darfst dich einfach nicht dran stören,
dass noch Umzugskartons rumstehen."

Kaffee wurde aufgebrüht
und in dem noch fast leeren Wohnzimmer Platz genommen.
Dort wurde die Unterhaltung,
welche im Fairytaile begonnen hatte,
weitere 2 Stunden fortgeführt.
Er erzählte ihr sein halbes Leben
und es gefiel ihr.
Denn es war so frisch,
unbekümmert
und es schien so ehrlich und witzig.

"So nun schmeiss ich dich aber raus!"
Du weisst ich darf nicht verschlafen.
Bin noch in der Probezeit."

"ok!
ich schlaf dann morgen Früh dafür noch ne Runde für dich."
Da war wieder das freche Grinsen
"doch bevor ich gehe muss ich noch rasch für...
na du weisst schon!"
Er verschwand im Badezimmer.

Sie stand mit dem Türschlüssel in der Hand im Flur.
Schliesslich wollte sie hinter ihm schliessen,
um dann endlich schlafen zu gehen.
Es war schon 2 durch und
um 6:30h musste sie wieder aus den Federn.
Ausserdem fand sie ihn nett.
Aber nett ist auch alles.
Denn ihr Beuteschema sah ganz anders aus.

Aber vielleicht würde er einen guten Kumpel abgeben,
wenn er denn in die Clique passen würde.
Doch dazwischen liegen ja Welten.
Ok! Vergessen wir es!
So ihre Gedanken.

Als er aus dem Badezimmer trat,
machte er einige Schritte auf sie zu und sagte:
"Gute Nacht und Danke für alles"
und dann küsste er sie ungefragt.
"Tschüss - man sieht sich."

Sie war so überrumpelt,
dass ihr die Worte fehlten.
öffnete die Türe immer noch völlig perplex und
guckte wie er die Treppe runter sprang.

"Tschüss!"

(Fortsetzung folgt)
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