Montag, 24. Oktober 2016

Goldilock...

"eine Schwester - eine Schwester"
 
wir tobten wie die wilden im Wohnzimmer,
hüpften auf dem Sofa,
griffen uns bei den Händen und tanzten.
schrien immer wieder
"eine Schwester - eine Schwester"
 
Bis mein Bruder (9) plötzlich inne hielt,
mich (10) enttäuscht anguckte und sagte:
"so blöd - eine Schwester,
mit der kann ich ja gar nicht Fussballspielen..."
 
"und ob"
 
entgegnete ich:
 
"Du kannst es ihr doch beibringen,
dann ist sie besser als alle deine Kumpels zusammen"
 
Anscheinend war diese Antwort die passende Lösung,
denn wir machten dort weiter, wo vorhin aufgehört.
So lange bis es Papa zu bunt wurde
und wir lautstark ins Zimmer geschickt wurden.
 
Eine Schwester - eine Schwester
lachten wir weiter...
als wir auf unseren Matratzen hüpften.
Die Köpfe rot - wie im Fieber,
 das Adrenalin wahrscheinlich gar nicht mehr messbar.
 
Einige Tage später,
 als Mama mit dem einzigen wirklichen Wunschkind der Familie,
(mein Bruder und ich waren sogenannte Unfälle - gröhl)
nach Hause kam, hatten wir es natürlich schon allen,
sogar denen die es nicht wissen wollten, erzählt.
"Wir -
Wir haben ein ganz frisches Geschwisterchen."
 
Mama erzählte:
"als sie das Licht der Welt erblickte,
war gerade unterhalb der Klinik die Zirkusvorstellung aus."
 
Wie wenn dies ein Zeichen gewesen wäre.
Denke ich heute liebevoll Rückblickend.
 
Denn meine Schwester verstand es schon ganz Bald,
 sich sehr Manegenreif in Szene zu setzten.
Nicht zu Letzt mit ihren blonden fülligem Haar mit Zapfenlocken
und den dunkelbraunen grossen Augen.
 
Wenn sie was wollte wurden diese noch grösser
und mir schien, die Haare noch blonder.
Sie sah echt wie ein Engelchen aus.
Doch wusste ich relativ bald,
dass davor auch ganz oft das B stand.
"Bengelchen"
Sie trickste uns oft aus,
wickelte alle - aber vor allem Papa um den Finger
und wusste genau welche Knöpfe sie bei den Personen drücken musste,
um das zu erreichen was sie wollte.
 
So natürlich auch bei allen Fussball Kumpels meines Bruders.
Richtig!
Sie lernte Fussball spielen
und so sah man meinen Bruder nie,
 ohne die Kleine auf dem Arm zum Fussballfeld laufen.
Genau, auf dem Arm -
Denn sie wollte immer von ihm getragen werden,
weigerte er sich,
 stand sie vor ihn und säuselte mit schräg gestelltem Köpfchen:
"Aber B... ich brauch dich doch"
streckte dabei die Ärmchen in seine Richtung.
Und er...
Er schmolz dahin.
 
Ok! Du kannst dir vorstellen das er sie trug und
wenn nicht er,
 dann ich oder ein Kumpel.
Bis sie eindeutig zu schwer wurde.
 
Beim Fussball Spiel,
bekam sie die Aufgabe erst als Mannschafts Maskottchen
dann als Linienrichterin und als sie zählen konnte, als Goal Zählerin.
hahaha!
 
Ganz viel später,
 trat sie sogar erfolgreich,
 in den Orts Ansässigen Damen Juniorinnen Fussballclub ein.
 
Notabene - gegen den Willen von Papa.
Da rauschte es oft gehörig.
Doch besänftigte sie den unterdessen chronisch krankgewordenen Papa,
in dem sie seine Krankenschwester spielte. 
Ihm bei Kopfschmerzen kalte Lappen auf die Stirn legte,
Rückenmassage machte oder die Kissen vom Sofa aufschüttelte. 
 
Genauso rasch wie ich mich über sie ärgerte,
z.B. weil sie auf Knopfdruck Tränen fliessen lassen konnte,
oder mich verpetzte,
verzieh ich ihr wieder.
Denn schliesslich war sie meine Schwester,
die mir ab dem 10 Lebensalter in Obhut gegeben wurde.
 
Jeden Tag nach der Schule eilte ich nach Hause,
und hatte sie dann für Stunden in meiner Obhut.
Mutter musste zur Arbeit, Vater sowieso.
Mama kam dann für 2-3 Stunden nach Hause
um dann Abends wieder in den Dienst zu fahren.
 
So war auch das Kochen,
essen auftischen und ins Bett bringen eine meiner Aufgaben.
Ohje - wenn ich an das Schlafen gehen denke.
Bis zum Alter von 17 Jahren -
dann zog ich nämlich von zu Hause aus,
brachte sie es fertig,
dass wir Abends gemeinsam zu Bett gingen.
 
Der Plan von Papa,
"leg dich einfach hin bis sie eingeschlafen ist"
ging so was von...
.... in die Hose.
Denn das hinlegen war das eine,
das andere das Hinaus schleichen.
Die Kleine schrie -
 ich kann alleine nicht schlafen,
drückte Krokodils Tränen hervor
 und versicherte,
 zumindest meinem Papa,
 mit grossen Kulleraugen,
"ich Anst"
Was so viel wie "ich habe Angst" bedeutete.
 
So legte ich mich jeden Abend,
auf Geheiss des Oberhauptes,
 um 20:00h mit ihr ins Bett.
Dann sass sie neben mir im Dunkeln,
zwitscherte, weil sie wohl meinen Unmut merkte:
"ich sing Liedchen - ok?"
und fing dann auch ohne eine Antwort abzuwarten,
damit an.
Ich konnte es anstellen wie ich wollte,
meine Schwester wurde bei jedem Versuch,
 mich aus dem Zimmer zu schleichen wach.
Klammerte wie ein Affe und schrie:
"nein bleiben - ich Anst"
 
Kein Nachtlicht,
 keine Musikdose,
 kein Kuschelbär,
ne - die Grosse,
 um 10 Jahre ältere Schwester musste her.
Dafür wurde das Repertoire von ihr auf datiert.
Manchmal gab es Lieder,
später Geschichten,
dann mit dem Finger auf den Bauch malen und erraten,
und irgendwann begann sie mit dem Witze erzählen.
Diese waren für mich so schrecklich langweilig
und dann "versemmelte" sie auch noch so oft die Pointe.
oooohhh Gott!
was für eine Zeit.
Ich sage Dir -
ich hätte am liebsten...
ne - ich sag`s doch nicht.
 
Wenn ich das Heute so schreibe,
finde ich es allerdings sehr lustig
und sie war ja so Talentiert.
 
gröööööhl!
 
Irgendwann waren meine Eltern so viel am Arbeiten,
dass mein Bruder, meine Schwester und ich,
wie eine kleine Familie funktionierten.
Rückblickend sehe ich,
 dass wir das Rollenverhalten der nicht vorhandenen Erwachsenen,
einfach übernommen hatten.
Und als dann eines Tages meine kleine Schwester,
Sie war so etwa 4 oder 5...
 mich plötzlich "Mama" zu nennen begann,
fiel meiner Mutter förmlich der Kinnladen runter.
 
Egal - es lief ja alles Bestens.
 
Mein Auszug zu Hause war für sie eine Krise,
"Ich will mit"
weinte sie ganz schrecklich,
als würde ich zum Nordpol auswandern.
Sie empfand es wohl auch so,
bis ihr bewusst gemacht wurde,
dass sie nun das ganze Zimmer alleine nutzen könne.
Da war alles plötzlich ok!
hahahahahaha!
 
Zu sagen ist,
ich wohnte genau ein Haus weiter
kicher!
 
Als ich mit etwas über 20 meinen Freund
(späterer Ehemann) zum Vorstellen mit nach Hause brachte,
wickelte sie auch ihn am ersten Abend um den Finger.
 
hihihihihi!
 
Pellkartoffeln gab es
und die mochte sie gar nicht.
Blicke -
du weisst schon?
Mit grossen braunen Augen,
huschten hin und her,
 und plötzlich wanderten die Kartoffeln unter dem Tisch,
in die ausgestreckte Hand meines neuen Freundes.
Der grinste frech und ass.
Ein gekonnter Einstand -
 zumindest bei meiner Schwester. 
 
An unserer Verlobung,
da war sie etwa 12
war sie die Einzige die mit zum Feiern ins Restaurant kam.
Alle andern glaubten nicht an ein bleibendes Glück.
Wenn die damals gewusst hätten. hahahahaha!
Meine Schwester ass und strahlte
wie eine Weltmeisterin,
als würde schon Bald sie heiraten.
 
War so süss!
 
Am Tag meiner Hochzeit,
da war sie 13
trommelte sie voller Stolz,
 die ganzen Kinder aus der Nachbarschaft zusammen.
Als ich aus der Haustüre trat,
sah ich in unzählige glänzende Kinderaugen,
ein Oooooooohhhhhh!
wie im Chor
 schwappte mir entgegen.
"Wie Schneewittchen"
sagten sie und begleiteten mich alle zum wartenden Car.
Allen voran ganz stolz meine Kleine Schwester.
 
Eines Tages -
ich war schon lange verheiratet
sie auch und wohnte
 mittlerweile mit einer Tochter, 
etwas weiter von mir weg.
Apropos!
Tochter - mit fülligen blonden Locken und grossen braunen Kulleraugen
hahahaha!
 und vor allem auch mit dem Hang zum Theatralischen.
gröööööhl!
Kam sie ganz überraschend zu Besuch.
Wir redeten über die Vergangenheit
und über uns...
und stellten dabei fest,
dass wir so verschieden seien wie Tag und Nacht.
Auf der Suche nach etwas das sich gleicht,
kamen wir lachend zum Schluss,
dass es nur etwas gäbe...
rein Optisch...
denn auch Charakterlich sind wir anders
und so auch oft unsere Ansichten...
 
Die
 KNIESCHEIBEN
 sind`s
die könnten sich ähneln.
 
hahahahaha!
 
Sie Blond - ich braun
Sie gross - ich klein
Sie schlank - ich Rubens
Wasserratte - Wasserscheu
Aktion - Ruhig
Reisen - gerne zu Hause
liebt Motoren zu fahren - mag ich nicht
und und und ....
 
Hahahahahaha!
 
Aber das ist doch alles Peanuts!
 
"Egal ob wir uns ähneln oder nicht...
wenn wir uns sehen, hören oder lesen
es passt...
manchmal auch erst nach Erklärungen
hihihihi
 
Und deswegen
und sowieso
 
Du bist für mich immer 
MEINE SCHWESTER
die ich über alles Liebe"
 
Happy Birthday meine Kleine Grosse!
Freue mich noch auf viele Jahre mit Dir
und wünsche Dir alles GLÜCK auf Erden.

Doch etwas das wir Beide lieben - Blumen!
 
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