Sonntag, 20. November 2016

Gewohnheitstiere...

Menschen sind Gewohnheitstiere.
Tiere auch!
 
😂😂😂😂
 
Diesen Satz sagte ich diese Woche einer Freundin
und nun,
darĂŒber nach gedacht,
 kam mir folgende Geschichte in den Sinn.
 
Im Alter kurz vor meinem Eintritt in den Kindergarten,
also so viereinhalb oder fĂŒnf,
meinte der Kinderarzt zu meiner Mutter:
"also es wÀre gut wenn die Kleine mal einen Tapetenwechsel hÀtte.
Raus aus der feuchten Parterre Wohnung,
zu frischer Luft aufs Land.
Bestimmt ist sie dann weniger krank!"
 
Kurz darauf wurde ich an einem trĂŒben Tag,
auf den Bahnhof gebracht.
Im Abteil kam eine nette Ordensschwester
und legte mir ein Schild um den Hals.
Sie stieg dann aus und ich blieb alleine zurĂŒck.
Das war ganz gegen meine Gewohnheiten.
Kannte ich bis Dato nur Reisen mit Papas Auto und der  Trambahn.
So sass ich,
recht verloren,
 im Zug der mich irgendwo hin brachte.
Als der Schaffner kam,
lÀchelte er mich an und sagte:
"So kleines FrÀulein,
nÀchster Halt aussteigen.
Du musst aber keine Angst haben,
wirst abgeholt."
 
So war es dann auch.
Eine andere Ordensschwester holte mich auf dem Bahnsteig ab.
Ich weiss nur noch,
dass wir es ganz schön eilig hatten.
Nahm mir etwas hastig das Schild vom Hals
und dann rannten wir zum wartenden Bus.
Mit diesem fuhren wir ĂŒbers Land,
 bis zu einer Bushaltestelle mitten im GrĂŒnen. 
Ich vermisste jetzt schon meinen Bruder...
und musste beim Gedanken an ihn die TrĂ€nen runterschlucken,
schliesslich wollte ich nicht das fremde Menschen sehen wie ich weine.
 
An der besagten Bushaltestelle wartete ein grĂŒner Jeep,
Dort wurde ich neben einen fremden Mann
auf den Sitz gehoben.
Er stellte sich als Herrn S. vor
und er sei der Bauer der das Sagen hÀtte.
Das war alles -
Sonst redete er nicht mit mir.
 
Das war auch in den kommenden 6 Monaten so.
Es wurde instruiert was ich zu tun oder zu lassen hatte,
viel geschimpft, angeschrien und noch mehr alleine gelassen.
 
Ich war bei einer Bauernfamilie,
Also Vater, Mutter, Baby und Hund,
auf einem Hof weit ab vom Schuss gelandet.
Möchte nun nicht zu weit ausholen,
es sei nur so viel erzÀhlt,
dass ich bei gutem Wetter auf ein Feld geschickt wurde.
Dort musste ich Huflattich Köpfchen abknipsen
und in eine grosse Tasche verstauen .
Auf einem anderen Feld Steine einsammeln
und am Rand ablegen.
War das Wetter schlecht,
wurde ich in einen Keller gebracht der dunkel
und feucht war.
Überall tropfte es von der Decke.
Am Boden lagen Planken auf denen man gehen musste,
denn ringsum hatte es Wasser.
Dort alleine...
ich hatte echt Angst.
Tagelang musste ich in diesem Verliess,
 Kartoffeln nach Grösse sortieren.
Oder verfaulte Äpfel aus den Guten.
Karotten und anderes GemĂŒse in Harassen abfĂŒllen,
oder Apfelsaft in Flaschen
 
SpÀter als ich den Film Cinderella gesehen habe,
glaubte ich zu wissen,
 wie sie sich beim Erbsen sortieren gefĂŒhlt haben muss.
 
Auf dem Hof musste ich ausserdem beim putzen,
misten und beim Baby Aufpassen helfen.
Bei all den Arbeiten war ich meist alleine.
War oft traurig
und hatte keinen Menschen dem ich irgendwas erzÀhlen konnte,
Oder der mich in den Arm nahm.
 
Die BĂ€uerin,
war eine unzufriedene Frau,
die mir am ersten Tag schon sagte:
Du bist mir so unsympathisch,
so viel Geld kann mir gar niemand geben,
als das ich dich mögen wĂŒrde.
 
Unsympathisch?
 
Ich kannte das Wort nicht.
Aber war ja auch egal,
denn das es nichts Gutes war das war zu spĂŒren.
Meinen Eltern hatte man anscheinend untersagt,
dass sie zu Besuch kÀmen.
Meine Sehnsucht sei zu gross
und es wĂŒrde mich nur unnötig belasten.
Weil ich ja noch einige Monate zu bleiben hÀtte.
Das hatte ich mir selbst zu zuschreiben,
keifte mich die BĂ€uerin an:
"Nachdem Du dem Auto des Tierarztes,
(das die selbe Farbe wie das meiner Eltern hatte)
schreiend wie eine Irre hinterhergerannt bist.
 
Ja ich weiss!
zu dritt haben sie mich nach Hause getragen.
So habe ich mich gewehrt und geschrien.
 
Ein Mensch ist ein Gewohnheitstier!
 
und da ich gewohnt war mich mit anderen zu Unterhalten,
am meisten mit meinem Bruder,
fing ich an in den Tieren des Hofes meine Zuhörer zu suchen.
Da gab es nach kurzer Zeit Sonja.
Sie war meine Lieblings Kuh.
Und unumstritten die VerstÀndnisvollste,
leckte mich wenn ich weinte
und angelte zu meiner Belustigung,
 mit ihrer langen Zunge nach einem Grashalm den ich ihr hin hielt.
Dann waren da noch die HĂŒhner.
Obwohl die hatten nicht immer gute Laune.
Heute wĂŒrde ich sie Zickig nennen.
Aber kein Wunder,
musste ich oft ihre Eier einsammeln.
Wenn ich das nicht tat,
tanzten sie fĂŒr mich.
(nach Körner scharrend)
 
Ein kleiner Hofhund der war witzig,
aber nicht immer da...
war wohl oft auf FreiersfĂŒssen.
Hingegen sein Kumpel der grosse Benno,
war all gegenwÀrtig
und mit ihm sprach ich,
 weil ich Angst vor ihm hatte.
Kein Wunder manchmal knurrte er
und ich wusste nicht warum.
 
Die Schafe.
Gut die Konversation war auch da oft etwas einseitig.
Doch sagte ich "BĂ€h"
Meinten sie doch wenigsten hin und wieder "BĂ€h" zurĂŒck.
 
Und am allerliebsten hatte ich die Schweine.
Das waren meine Helden.
Jedoch glaubte ich,
dass die BĂ€uerin diese genauso hasste wie mich.
Warum?
 
Stell Dir vor,
jedes Mal bei schönem Wetter,
 wenn sie die WĂ€sche draussen zwischen Haus
 und Scheune an die lange Leine hĂ€ngte,
 geschah das selbe.
Kaum hatten die Schweine,
 die flatternden langen weissen LeintĂŒcher gesehen,
rannten sie aus ihrem Schlammloch,
quickend unten durch.
Manchmal rissen sie diese von der Leine
 und rannten wie Gespenster ĂŒber den Hof.
Die BĂ€uerin schrie total aus dem HĂ€uschen:
"Wer zum Teufel hat das Schweine Gatter aufgelassen?"
Dann kam der Bauer aus dem Stall gerannt
und schrie ebenfalls:
"Schrei doch nicht so!"
Dann wurde eine Runde geflucht
und dann stritten sie.
 
Da sich diese Szenerie jedes Mal aufs Neue wiederholte.
Hatte ich mir nach dem 2mal einen Logenplatz
 im oberen Stock am Fenster gesichert.
Lachte mich schief
und rannte in Gedanken mit den Schweinen mit.
Jawohl! Jubelte ich...
Jawohl! hopp hopp!
 
Meine etwa 20 Heroes mit Ringelschwanz,
 setzten sich einfach ĂŒber das "gezetter" der BĂ€uerin hinweg
und drehten noch mal ne Runde.
Umso mehr sie schrie,
umso wilder quickten sie.
Wenn sie dann nicht mehr weiter wusste,
nahm sie einen Stock den sie sich parat gestellt hatte.
Das war der Zeitpunkt wo ich mich vom Fenster entfernte.
 
Leute - ich habe gesehen wo das Wort
"Sauhaufen"
seinen Ursprung gefunden hat.
hahahahaha!
 
Warum die BĂ€uerin ihre Gewohnheiten,
so wenig wie die Schweine
hahahaha
Ă€nderte,
 ist mir bis heute ein RĂ€tsel.
 
Irgendwann stelle sich heraus,
das dieses besagte Gatter gar niemand offen gelassen hatte,
sondern der Riegel fĂŒr den Druck der wild gewordenen Schweine,
zu schwach war.
 
Du kannst Dir vorstellen wie froh ich war,
als meine Zeit dort abgelaufen.
 
Apropos!
Diese Idee des Arztes,
von wegen weniger krank...
Das war ein Schuss in den Ofen.
und mein Bild von Erwachsenen auch nicht besser.
 
Irgendwann -
da war ich schon verheiratet,
entdeckte ich bei einem Motorradausflug mit meinem Schatz,
den besagten Hof.
Er liegt etwa 20 Kilometer vom Wohnort meiner Kindertage.
15 Kilometer von meinem Jetzigen.
Und wenn ich heute daran vorbei fahre,
dann ist das wĂŒrgen im Hals,
 aus den EntdeckungsanfĂ€ngen,
dem glĂŒcklichen Gedanken:
"Nie mehr wieder"
gewichen.
 
Man kann Gewohnheiten Àndern.
Manchmal schwer,
 doch wenn man will klappt es.
Ob das Schweine auch können?
haahahaha!
 
Grad mal ĂŒberlegen,
 welche ich als nĂ€chstes in Angriff nehmen möchte.
grins!
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