Freitag, 18. November 2016

Sturm

Es ist mal gerade 04:30h als ich vor wenigen Minuten erwachte.
Schon das 4 Mal heute Nacht,
 dass ich plötzlich aus dem Schlaf gerissen wurde.
Es Stürmt draussen wie verrückt
und für einen Moment,
im Dämmer Zustand des Erwachens,
glaubte ich...
.... wir seien in der Bretagne.
 
Unsere Bretagne,
vor Jahren entdeckt und mittlerweile oft angereist,
ist sie in unsere Seelen eingeschlossen.
Dort fühlen wir uns ebenfalls zu Hause.
Egal bei welchem Wetter.
Denn das ist so Launisch wie es sonst kaum wo sein kann
und schreckt den einen
 oder andern ab diesen wilden Fleck Erde zu besuchen.
 
Ich sag ja immer:
"es gibt den Süden- und den Norden Typ.
und ich glaube ich kann mich definitiv zum 2.eren zählen.
hahahahaha!
 
Wild muss es sein,
urtümlich und echt!
 
Vor einigen Jahren,
wir hatten uns mit zwei Hunden,
 für 4 Wochen Urlaub,
 in dem Haus am Meer,
auf der Düne eingerichtet.
Dort sassen wir nun Buchstäblich
 für eine ganze Woche in diesem fest.
Eine ganz neue Erfahrung.
 
Und obwohl ich mich weder vor Gewitter,
noch vor starkem Wind fürchte,
war mir da Zeitweise schon etwas komisch zu Mute.
Denn es stürmte was das Zeug hielt.
 
Die Klappe des Kamins,
an der sowieso wegen der Winde ein schwerer Stein hing,
wurde von uns mit langen Hundeleinen herunter gezurrt.
Zum einen weil das ständige laute Geklapper kaum auszuhalten war,
zum andern weil wir echt das Gefühl hatten dieser Deckel würde weggerissen.
 
Vor dem Fenster,
 mit dem Blick in den Garten,
 zogen von der Meerseite abgewendeten,
die schweren Holzgartenstühle mit Tisch an uns vorbei.
Blieben an der Hauswand hängen
um sich dort dann nach Gutdünken von Herrn Sturm,
 in einer speziellen Mikado Form zusammen zu quetschen.
 
Ein Gang nach Draussen,
weil die Hunde ja mal mussten....
wurde zum Abenteuer.
Aramis mein treuer Begleiter fand heraus,
dass er nun halt wie kleine Mädchen Pipi machen musste.
Er hatte erfahren und an seinem Papa Harun gesehen,
dass wenn Hund bei dem Wetter das Bein hebt,
man ungefragt um plumpsen kann.
 
Das eine oder andere mal musste der alte Harun,
gehalten und stabilisiert werden.
So taten wir gut,
auf der richtigen Seite zu stehen,
damit wir nicht im Urinregen standen.
 
Miteinander draussen sprechen...
ein Kapitel für sich.
Es wurde eher geschrien.
Und stand man ungünstig wurden die Worte einfach davon getragen
und kamen nicht beim gewünschten Empfänger an.
Die Jacken plusterten sich auf,
die Kapuzen vom Kopf gerissen
und die Hosenbeine waren wie Kaminrohre.
 
5 Minuten draussen kamen uns wie 3 Stunden Kampf vor.
Zurück im Haus,
gab es uns ein so starkes Gefühl der Geborgenheit,
das wir uns bei einer heissen Tasse Tee glücklich anstrahlten.
 
Ich stand oft am Fenster und blickte zum Meer,
dessen Wellen Tag für Tag höher wurden.
Es war für mich ein Rätsel,
 wie die hohen schlanken Bäume der kleinen Allee,
auf dem Weg zum Meer,
dem Stand halten konnten.
Manchmal beugten sie sich so tief,
das ich die Luft anhielt weil ich glaubte:
"Es kann nicht sein, jetzt brechen sie gleich"
Doch nichts da.
Nichts brach.
Sie waren in dem Moment wie aus Gummi
und richteten sich immer wieder auf.
 
Unsere Tage verbrachen wir mit richtig guten Gesprächen,
lesen und scrabblen.
Meinem 10`000 er Puzzle,
malen oder Musik hören.
Zwischendurch,
 wurde eine DVD aus der Sammlung des Hausbesitzers geguckt.
Mit den Hunden wurden im grossen Wohnraum Aufmerksamkeitsübungen
und Suchspiele gemacht.
So auch ein weiteres Kunststück eintrainiert und gefestigt.
Zeit genug hatten wir ja alle mal.
 
Die Essenvorräte reichten,
das wir nicht Einkaufen fahren mussten.
uff! Glück gehabt.
Die Menus wurden gegen Ende dieser Sturmwoche einfach immer bescheidener.
Aber wir bewegten uns ja im Verhältnis zum "normale" Alltag,
viel weniger...
...also mussten wir auch keine grossen Portionen essen.
Da waren wir uns einig
und unsere Mägen gaben uns recht.
 
Nach 2 Tagen hatte man sich damit arrangiert,
dass diese heftigen Sturm Geräusche nicht abgeschaltet werden können.
Man wünschte sich trotzdem einen Aus Knopf dafür
oder wenigstens mal eine Stunde Pause.
Denn damit wäre uns bestimmt nicht nur das Einschlafen Nachts,
 etwas leichter gefallen.
Auch fehlte das unbeschwerte nach Draussen gehen.
Für längere Zeiteinheiten.
So wie gewohnt 
und ohne gegen den Wind ankämpfen zu müssen.
Oder wenigstens ein Fenster öffnen zu können.
Stattdessen mussten wir,
so waren wir überzeugt,
mit einem ungewohnten Kraftakt,
einige Fensterläden auf unbestimmte Zeit schliessen.
denn es war echt heftig,
 wie der Wind an manchen Stellen gegen die Scheibe drückte.
 
Genau nach einer Woche,
erwachten wir eines Morgens weil wir nichts hörten.
Es war so unglaublich ruhig.
Fast schon unheimlich.
Ich guckte meinen Mann an und fragte:
"was hörst Du?"
und ich werde sein zufriedenes,
 vom Schlaf noch gezeichnetes Gesicht nicht vergessen,
als er sagte:
"ha - ich höre nur meinen Tinnitus!"
und dann strahlte er mit der aufkommenden Sonne um die Wette.
 
Wir gingen im Schlafanzug in den Garten.
Atmeten tief durch,
umarmte uns.
Und das Gefühl von gewonnener Freiheit,
 war in dem Moment so gross,
dass die Hunde anfingen um uns herum zu wuseln.
 
Wir waren einfach nur glücklich
und die Hunde anscheinend auch!
Und es war so...
als sei Herr Sturm nie da gewesen...
 
 


 
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