Sonntag, 11. Dezember 2016

Eislaufen....

Papa arbeitete nun in Düsseldorf.
Das lag über 8 Stunden von unserem Zuhause weg.
Manchmal kam er alle 14 Tage für ein Wochenende,
manchmal auch erst nach einem Monat,
 nach Hause.
 
Durch die neuen Umstände hat sich so einiges geändert.
Im Familien- und meinem jungen Leben von 8 Jahren.
 
Alles lief ruhiger ohne ihn.
Viel entspannter.
Keine Stresssituationen mehr am Mittagstisch,
keine Abends vor dem Schlafen gehen.
Keine beim Nachhause kommen von der Schule.
Und auch sonst...
Ich hatte das Gefühl,
dass ich das erste Mal in meinem Leben zu Hause,
so richtig durchatmen konnte.
 
Nicht das wir uns an nichts mehr halten mussten,
Mama hatte ihre Regeln
 und die mussten eingehalten werden.
Das war für uns auch ok.
Doch es wurde mehr gesprochen
und einander zugehört.
 mehr gescherzt und gelacht.
Mama nahm uns viel mehr in den Arm.
War gelöster.
Es war einfach schön.
 
Aber so wie diese Zeit mit uns
(Mama, meinem Bruder und mir)
was machte,
machte es auch mit Papa etwas.
 
Man merkte ihm bei den Besuchen zu Hause an,
dass wir ihm gefehlt haben.
Natürlich hätte er das nie gesagt.
Auch wurden wir weiterhin von ihm nicht umarmt,
geherzt oder gedrückt,
doch sein Ausdruck und der Umgang mit uns war ganz anders.
Hatte er ausgeschlafen,
war er ganz umgänglich und nett.
 
Auch brachte er immer etwas für uns mit.
Und so war dieses Weihnachtsfest ganz anders als sonst.
Es lagen anstelle der sonst eher kleinen Pakete
2 grosse unter dem Weihnachtsbaum.
"Aber Papa - so grosse Geschenke?"
fragten wir völlig überrascht.
"Ja - ich verdiene nun etwas besser
und so konnte ich dem Christkind,
 mehr Taschengeld zum einkaufen mitgeben."
Antwortete er.

Mit dem Inhalt der Pakete,
 fuhren wir am 2. Weihnachtstag ans Ufer der Rhone.
 Schlittschuhe -
ich hatte nun meine eignen Schlittschuhe.
Meine Gefühle waren sehr gemischt.
Auf der einen Seite sehr Stolz über die weissen Eistanzschuhe,
auf der anderen ängstlich weil ich noch nie auf solchen gestanden hatte.

Auf einem gefällten Baum sitzend zogen wir sie an.
Die meines Bruders waren in schwarz braun
 und war die sogenannte Hockey Version.
Auch er war stolz wie Bolle.

Papa hatte sogar etwas Watte mit.
Diese wurde als Stopfmaterial benutzt,
weil sie mir und auch die meines Bruders zu gross waren.
"macht nichts"
sagte Mama
"Schliesslich wachsen eure Füsse eh viel zu schnell.
So habt ihr vielleicht im nächsten Winter,
 die Möglichkeit die selben nochmal benutzen zu können."

"Kommt!"
rief Papa
"Ihr müsst hier durch."
Von unseren Eltern an den Händen gehalten,
staksten wir mit unseren Gleitschuhen über Äste,
Gras und unter Gestrüpp hindurch.
Um dann an die zugefrorene Fläche zu kommen.
Papa machte einen Schritt auf das Eis,
machte uns vor wie wir nun auf diesem gleiten müssen,
um vorwärts zu kommen.

Es knackste hier und knackste da...
"Papaaaaa! Ich habe Angst, das Eis bricht!"
 schrie ich
Es war wirklich unheimlich.
Zumal ein rasches Wegkommen auf meinen Gleitern nicht so einfach war.
Das Eis war nicht glatt,
wie das später auf der Kunsteisbahn.
Es war hubbelig und unruhig.
an manchen Stellen war es Milchig Weiss,
an andern fast durchsichtig
 und man konnte das Wasser unten drunter fliessen sehen.

"Keine Angst!"
Rief Papa mir zu,
am Arm meinen lachenden Bruder mehr hängend als fahrend.
"Also wenn das Eis mich hält -
dann hält es dich als Leichtgewicht längstens.
Ausserdem wenn wir in diesem Bereich bleiben,
ist das Eis immer genügend dick."

Als wir später zu Hause mit roten Wangen am Tisch sassen
und noch immer aufgeregt von unserem Erlebten erzählten,
machte sich eine tiefe Zufriedenheit breit.
Was für eine schöne und unvergessliche Weihnacht.
Und wie lustig wir es hatten.
Vor allem als Papa uns mit seinen Lederschuhen,
 auf dem Eis vor machte,
 wie man auch Pirouetten, Sprünge und Retour fahren kann.
"Natürlich nur mit sehr viel Übung."
Wie er immer wieder betonte.

Als es ihn dann auf den Hintern setzte,
war das Gelächter riesig.
Am Tisch erfuhren wir auch,
das er früher als Jugendlicher,
 manchmal als Clown Verkleidet,
Vorführungen auf dem Eis machte.
Unter anderem über Weinfässer sprang
und damit Gross und Klein begeisterte.
Wir sahen unseren Papa,
 kurzzeitig mit ganz anderen Augen.

Im neuen Jahr erfuhr ich von meiner Freundin Christiane,
dass es im Sportzentrum des Ortes eine Ganzjahres Eisbahn gibt.
So verbrachte ich des Öfteren meine Zeit mit Ihr,
meinem Bruder und den Schlittschuhen, dort.
Solange bis mich eines Tages meine schmerzenden Zehen daran erinnerten,
 dass mein bis dahin schönstes Weihnachtsgeschenk,
 nun endgültig zu klein geworden ist.
Von da an wurde immer wieder mal das Ersparte,
für die Miete von Schlittschuhen verwendet.
Ich trainierte und trainierte und trainierte...

Schliesslich wollte ich nun nicht mehr nur Prima Ballerina,
sondern vielleicht auch Kunsteisläuferin werden.

Aber Ihr wisst?
Bitte ohne Publikum!
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