Dienstag, 20. Dezember 2016

Schlüssel...

(Fortsetzungsgeschichte vom 18.08.16 - Posttitel: Ador)

"Engelchen - sei so lieb,
mach auf"
sagte eine mir wohlbekannte Stimme.
Im Hintergrund kreischte Coco der Ara sein gewohntes
"Hilfe Polizei"
Ador, der grosse Rottweiler Rüde stand neben mir.
Guckte mich an und verstand so wenig wie ich.
 
"Engelchen"
 erneut die Stimme meiner Patentante hinter der verschlossenen Türe.
"mach doch die Türe wieder auf"
Bei diesen Worten legte Ador den Kopf schräg
 und guckte nach unten an die Tür,
als würde Frauchen jetzt diese gleich öffnen.
Doch sie tat es nicht.
Stattdessen rief nun Tante Leonie etwas eindringlicher,
"Engelchen, dreh den Schlüssel
und lass mich raus."
 
Hihihihi
Tanti - rief ich und klopfte mit den Handflächen an die Türe.
Sie sagte nochmals das selbe.
"Dreh den Schlüssel, Schätzchen"
Ador guckte wieder an die Türe
und bellte kurz.
Duckte sich vorne,
 streckte den Po in die Höhe
und wedelte.
Was für ein lustiges Spiel.
So kam es zumindest Ador und mir vor.
 
"Gugus!
Taaaaaantiiiii!"
rief ich.
Coco schrie aus Leibeskräften und ohne unterlass:
"Hilfe Polizei"
Vielleicht war er der einzige der die Lage echt erkannte.
Ach denkste!
Es war der in seinem Sprachrepertoire meisten gebrauchte Satz.
 
Nachdem Tante Leonie erneut mit verzweifelter Stimme
und eindringlich aufforderte den Schlüssel zu drehen,
fasste ich nach diesem.
"Geht nicht - Tanti"
Es war wirklich so,
der Schlüssel liess sich nicht drehen.
 
Irgendwie fand ich es jetzt auch nicht mehr so lustig.
Das Spiel sollte nun aufhören.
Tante Leonie hörte sich an als würde sie bald weinen.
"Ohhhh!
Tanti nicht weinen!"
nochmals probierte ich den Schlüssel zu drehen.
"Geht nicht Tanti"
Dann fing ich an zu singen,
dass was Tante immer sang wenn ich mich gestossen hatte.
"Heile Heile Segen...
Wurde dann aber von Tante unterbrochen.
 
Ihre Stimme klang wieder etwas klarer:
"Schätzchen - Engelchen,
dreh den Schlüssel in die Richtung wo wir beim Essen immer sitzen.
Dort wo deine Puppe sitzt"
 
Juhuuuuuu!
Es war geschafft!
Tante war aus dem Klo befreit.
Ador sprang an ihr hoch.
Coco schrie
und Tante?
Sie nahm mich in den Arm
und sagte:
"Das darfst du nie mehr tun.
mein Engelchen"
Wir machten einen tiefen "Befreiungsatmer"
 
Da hatten die Erwachsenen die geniale Idee,
 den Schlüssel aussen ins Schloss zu stecken,
damit ich mich auf dem Klo nicht einschliessen kann.
Anscheinend,
 war bei mir eine gewisse Affinität zu dieser Handlung vorhanden,
und dann das?
 
Abends als Onkel nach Hause kam,
erzählte Tante es ihm in allen Einzelheiten.
Nein - eigentlich sprachen wir in einem wilden Stereo,
denn ich wollte auch erzählen.
Onkel Hans meinte dann:
"Ah ha - so wird ein Engelchen zum Bengelchen."
 
Fortan hing der Schlüssel,
 für mich unerreichbar,
Aussen neben der Klo Türe an einem Nagel.
 
Jeder in der Verwandtschaft kannte nach einigen Tagen die Geschichte
und sie verfolgte mich bis vor einigen Jahren.
Als ich das letzte Mal mit meiner Tante sprach,
kurz vor ihrem Tot.
 Im sehr hohen Alter sagte sie am Telefon:
"weisst du noch?
Als Du mich im Klo eingesperrt hast?
 
Ja klar weiss ich das noch.
Und was ich nie vergessen habe 
- liebe Tante -
das Du mir nie geschimpft hast!
Egal was ich angestellt habe.
Das hat mich so beeindruckt
und dafür habe ich Dich soooo geliebt.
 
"Ach weisst du"
 sagte die alte Stimme:
"Der Fehler liegt ja meist bei den Erwachsenen
Du konntest wirklich nichts dafür,
weil Du die Konsequenzen gar nicht sehen konntest."
 
Vielen Dank liebe Tante Leonie
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