Freitag, 3. Februar 2017

Holzwärme

Manchmal gibt es Gegenstände in einem Haus,
bei denen man sich wirklich mal bedanken sollte.
Also ich meine natürlich,
wenn sie eine Seele besässen.
Aber ich glaube du verstehst was ich meine.
 
Als wir vor über 16 Jahren in dieses alte Haus (Jg 1924) zogen,
wurden wir von vielen belächelt
und sogar für verrückt erklärt.
Denn es war seit vielen Jahren,
 in diesem Posamenter Haus kaum mehr etwas erneuert worden.
Es schrie förmlich nach einer Renovation im grossen Stil.
Unter anderem wurde bis dato mit einem Holz Ofen im Wohnzimmer
und einer Elektroheizung im oberen Stock (Schlafzimmer) die Räume geheizt.
Anscheinend Grund genug, dass Freunde sich um uns sorgten.
Ich weiss nicht wie oft ich den Satz in den folgenden 13 Jahren benutzte?
"Die alte Frau welche vorher hier gewohnt hat,
ist eines natürlichen Todes gestorben
und ist nicht erfroren.
Also Leute haltet den Ball flach."  
Wir wussten eines Tages würden wir das ändern.
Doch bis dahin war...
Holz bestellen,
Holz schichten
Holz hacken
(habe ich hier gelernt)
Anfeuern
(habe ich hier gelernt)
und das Feuer in Schach halten,
 in und ums Haus angesagt.
 
Holzlager für den Winter vorgesorgt.
 
Andere Dinge hatten einfach Vorrang.
Unter anderem die Elektrik.
Als der Fachmann seinem Lehrling rief:
"Komm sofort gucken,
hier siehst du die allerersten Elektroleitungen der Geschichte.
Der Draht ist noch mit Stoff umwickelt."
Spätestens dann fiel mir ein Stein vom Herzen,
das unsere Zukunft mit etwas sicherem
 und im Unterputz modernisiert werden konnte.
 
Vieles wurde von uns an den Frei Tagen,
nach Feierabend 
und in den Ferien verändert.
Wände versetzt,
Türen neu gestellt,
Türen, Simsen und Balken abgelaugt.
Tannenböden abgeschliffen
und alles mit Wachs behandelt.
Neue Böden gelegt.
Deckenverkleidungen montiert.
Tannenboden geschliffen und gewachst.
 
Allerdings wurde der alte Kachelofen mit Sitzbank,
obwohl nicht mehr nutzbar,
als Zeitzeuge so belassen wie angetroffen.
Eine Reparatur
und das entfernen von Beton,
 mit dem die Kaminzugänge zugepflastert worden waren,
hätte unser Budget zu sehr belastet. 
 
Doch mit unseren anderen Arbeiten,
 begann das Haus mehr und mehr zu atmen.
Es begann zu leben.
Einige Jahre gingen ins Land
und der uralte Ofen im Wohnzimmer ging über den Jordan.
Auch das noch!
 
der alte Ofen
Etwas anderes zum Wärmen musste her.
In einem Urlaub in der Bretagne,
 nutzten wir einst in einem Ferienhaus,
 einen hübsch aussehenden Gusseisen Ofen.
So einer sollte her.
Alleine schon,
 aus unsere unstillbaren Sehnsucht nach dieser Gegend in Frankreich.
Gefunden wurde er nach langem Suchen im Elsass.
In der Schweiz ist sowas im Pellet Zeitalter nicht mehr gefragt.
Sagte uns jeder Vertreter im eigenen Ländle.

Mein Liebling aus dem Elsass und wie in der Bretagne
 
Ich erinnere mich in der Anfangszeit,
dass sich meine Schwester zu Besuch angemeldet hatte.
Als ich ihr im Winter im Armlosen Shirt
und in Sommerhose die Tür öffnete,
war sie doch etwas erstaunt.
Ich hatte es einfach noch nicht im Griff mit der Wärmeregulierung.
Im Wohnzimmer hatte ich es gerade mal auf 32 Grad geschafft.
hahahahahaha!
Karibik lachten wir und suchten die passende Musik im Radio.
 
Mit der Zeit hatte ich es richtig drauf,
eine angenehme Wärme zu erreichen.
Die Elektroheizung im oberen Stock kam langsam in die Jahre
und im Winter liessen uns konstante 16 Grad,
 tief unter die Bettdecke rutschen.
brrrrrr!
 
Das Ritual zur kalten Jahreszeit,
morgens als erstes den Ofen anzufeuern,
ging in Fleisch und Blut über.
Tat man es nicht,
wurde gnadenlos gefroren.
Irgendwie hielt das Bergchalet Feeling die ganzen 13 Jahre lang.
 
Einmal als wir nach 5 Tagen von unseren Freunden in Frankfurt nach Hause kamen,
telefonierte mein Schatz:
"Hallo Deutschland!
wir sind gut zu Hause angekommen.
Nun müssen wir nur rasch einheizen.
Denn draussen hat es 5 Grad und hier drin 8.
Ach nein - was sag ich da...?
Draussen minus 8 und hier drinnen 5 Grad.
hohohoho!"
 
Es dauerte 3 Stunden bis es einigermassen angenehm war.
Ach! Irgendwie ist unser Naturell so,
das solche Dinge unter Abenteuer abgebucht werden.
Also keine Tragik sind.
 
Und...
unser Glück, dass manche Freunde sind ähnlich gepolt sind.
So kamen liebe Zwei,
als ich mal sehr krank war
und Schatz zu einer Weiterbildung im Ausland weilte,
 im Wechsel hier vorbei.
Sie, kam 3 mal am Tag und ging mit unserem Hund ums Eck
und er (zum Glück pensioniert)
kam alle 1,5 Stunden
 und legte ein neues Holzscheit in den Ofen.
Ich werde ewig Dankbar sein und das nie vergessen.
 
Nach 13 Jahren sparen,
Abklären und Veränderungen...
wurde ein Heizungssystem eingebaut.
das ist nun 3 Jahre her.
Doch jeden Tag im Winter,
 wenn ich aufwache,
 denke ich:
"Ach! So schön kuschelig bei uns.
Danke lieber Gott für diesen Luxus."
 
Danke auch dem Gusseisenofen im Wohnzimmer.
Er bleibt nach wie vor,
 bei uns an dieser Stelle stehen.
Sorgt nun,
in einer Art Pensionierungsstatus,
hin und wieder,
wenn es ganz kalt ist draussen
oder im Übergang vom Herbst zum Winter,
für romantisches Feuer mit geknister
und erinnert uns daran als wir alle noch mussten....
hahahahaha!
 
Was wären wir ohne ihn all die Jahre gewesen?
Wohl in der Eiszeit!!!
 
Aber wie sagte ich so schön:
"In diesem Haus wurde wohl schon gefroren,
aber erfroren ist noch nie jemand." 
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