Donnerstag, 9. März 2017

ohne Geld...

"Mama - Mama!"
Wir stürzten Beide (6 & 7 Jahre jung) durch die Eingangstüre unserer Mietwohnung.
"Mama - Mama!"
riefen wir aufgeregt.
"Was ist denn los?"
klang die vertraute Stimme unserer Mutter aus der Küche.
Wir redeten wild drauf los...
"Da sind alle...
weisst Du mit....
Da sind alle..."
Mama versuchte in den aufkommenden Redewirbelsturm Ordnung zu bringen.
"Nicht Beide zusammen,
ich versteh ja nichts.
Eines nach dem andern.
Ganz langsam."
Ich stellte mich etwas grösser machend neben meinen Bruder,
denn ich fand als Ältere hätte ich die Berechtigung das Wort zu ergreifen.
Doch da hatte ich nicht die Rechnung mit meinem Bruder gemacht.
Dieser,
obwohl einen Kopf kleiner als ich,
stupste mich bei Seite und begann zu erklären. 
"Alle sind verkleidet -
ALLE!"
Die Angst nicht ernst genommen zu werden,
liess ihn bei dem Satz die Augen gross machen.
"Pass auf!
sonst fallen sie noch raus!
Sagte ich keck und stupste ihn zurück.
"Witzig"
Gab er mir eine Grimasse machend zurück.
 
Meine Gelegenheit meiner Mutter alles etwas genauer
und Eindrücklicher zu erklären.
"Also es ist so,
Miriam von nebenan trägt ein Prinzessinnen Kleid.
Max ist ein Ritter und Alexander der ist ein Räuber.
Aber wir sind nichts."
Dabei liess ich etwas verloren meine Arme sinken
"Wir möchten auch verkleidet gehen.
Sie haben gesagt es sei Fasnacht
und lachten uns aus,
weil wir die normalen Kleider tragen."
Die Hoffnung Mama würde nun verstehen,
liess mich hoffen.
"Schatz!"
Und damit meinte Mama uns Beide
"Ich habe kein Geld für Kostüme,
so gerne ich euch welche gönnen würde."
Eine Traurigkeit machte sich breit
"Immer haben wir kein Geld"
Motzte ich
"Doch ich habe"
Sagte mein Bruder mit einem Grinsen
und verschwand,
um nach einigen Sekunden mit seiner Sparbüchse wieder zu kommen.
Geschlachtet förderte sie einen sehr geringen Betrag zu Tage.
Die Laune sank innert kurzer Zeit wieder auf den Null Punkt.
"Schatz das reicht niemals."
 
Bei mir kullerten die Tränen.
Mama meinte:
"Aber Knöchli (Das war mein Kosename)
Du bist doch sonst so vernünftig
und verstehst immer alles."
Ein Satz,
 den ich bis zu meinem Auszug mit 17,
 noch Tausend mal zu hören bekam.
Und an diesem besagten Tag bewirkte er lediglich,
dass damit ein Tränenmeer ausgelöst wurde.
"Ich will heute nicht vernünftig sein,
ich möchte nicht mehr die ältere sein.
Es ist so gemein."
Schrie ich
und rannte in mein Zimmer.
Dort schmiss ich mich aufs Bett
und schluchzte was das Zeug hielt.
Ich fand die ganze Welt so gemein.
 
Einige Minuten später klopfte es ganz sanft an die Türe.
Mein Bruder steckte seinen blonden Lockenkopf herein.
"Hallo!"
sagte er sanft
"Du musst nicht traurig sein"
Setzte sich zu mir aufs Bett und hielt meine Hand.
(auch etwas das bis zu meinem Auszug mit 17 nicht änderte,
Er versuchte mich immer zu trösten.)
grins!
 
Etwa 10 Minuten später kam Mama herein.
"ich hab eine Lösung"
strahlte sie über das ganze Gesicht
"Du holst den Klebstreifen aus dem Schrank
und Du bringst mir die gelesenen Zeitungen von Papa"
Dabei zeigte sie abwechselnd auf uns.
"Wir treffen uns im Wohnzimmer am grossen Tisch"
 
So geschah es auch.
Mit Schere und Klebeband wurden das Zeitungsformat verändert.
Mit geröteten Augen guckte ich zu bis sie dann sagte:
"So - Anprobe!"
 
Es wurde mir über die Hose,
ein Fransen Röckchen umgelegt
und an den Enden mit Klebeband festgemacht.
und eine Art Poncho über den Kopf gezogen.
Eigentlich war es nur eine Doppelseite Zeitung mit einem Loch in der Mitte.
Auf den Kopf bekam ich einen gefalteten Maler Hut,
natürlich auch aus dem selben bedruckten Papier.
 
Mama`s Finger waren geschwärzt.
Doch wir waren alle mit dem Ergebnis zufrieden.
 
Mein Bruder erhielt ebenfalls Poncho und Hut
und einen geknoteten Gürtel von Papa,
in den wurde ein Stiel eines kleinen Besens gesteckt.
 
Wir guckten uns strahlend an.
"So!
Ihr seit die Zeitungsritter!
Meinte Mama -
unsere Designerin
(ich glaube damals gab es das Wort noch gar nicht? - hahahaha)
 
"Ihr müsst nun nur ein wenig aufpassen,
weil dieses Material so besonders ist
und gerne reisst.
Doch zum Fasnacht machen
und bei den anderen mitzumachen reicht es alle mal.
Und nun ab auf die Strasse mit Euch."
 
Fröhlich hüpfend verschwanden wir.
Unten angekommen wurden wir natürlich erst bestaunt.
Dann ausgelacht.
Aber als wir ganz überzeugend erklärten,
dass es diese Kostüme nur einmal gibt
und nur für uns entworfen wurden.
Durften wir dann doch auch mit von der Partie sein.
Ich glaubte zu sehen,
oder bildete ich mir das ein?
Egal...
das der eine oder andere neidische Blick vorbeihuschte.
 
Als es dann zu regnen begann,
retteten wir uns mit den plötzlich komisch riechenden
und irgendwie wellig aussehenden Gewändern
in den Hausflur.
Setzten uns mit den Raschelponchos,
welche nun mehr hingen als vorher,
auf die Treppe
und waren glücklich,
 so eine schöne Fasnacht mitgemacht zu haben.
In der Tasche hatten wir Bonbons,
die wir von den anderen bekommen,
also besser gesagt,
 in unserer Fantasie eher erkämpft hatten.
 
Wir beschlossen,
das diese definitiv Mama gehörten.
Jedoch nicht,
 ohne vorher eines in den eigenen Mund gesteckt zu haben.
 
Was für eine unvergessliche Fasnacht
ganz ohne Geld!
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