Mittwoch, 22. März 2017

Pubertät II.

Da habe ich gestern meinen Gedanken über die Pubertät freien Lauf gelassen
und mich natürlich sofort daran erinnert wie es damals bei mir war.
 
Wie kam ich klar damit?
Na! Ganz einfach...
in dem ich mich der Begegnung mit Erwachsenen entzog.
Falls immer es möglich war.
 
Denn anscheinend verstand mich niemand so richtig.
am aller wenigsten mein Vater.
Entgegen dem üblichen "Familien Modell"
war dieser Krankheitshalber zu Hause und Mutter arbeitete.
Diese Situation war ganz neu
und sie hatte sich noch nicht so richtig eingegroovt.
Sagen wir mal...
Die Situation war eher Konfliktgeladen,
als softig.
Geschweige dann,
 mit einer eher trotzig, rebellischen Tochter.
Die, wie mein Vater einst auf meine Frage:
"Warum magst Du mich nicht?"
Antwortete:
"Du bist halt so anders als die anderen."
 
Da versteht es sich von selbst,
dass es förmlich nach einer Lösung schrie.
Liebe/r Leser/In keine Sorge,
Rückblickend war es für mich zu Hause unerträglich,
doch von dem möchte ich gar nicht erzählen.
Weil sie nicht zu ändern sind.
Doch an die Glücklichen Momenten,
die irgendwie eine Art Droge wurde,
an die erinnere ich mich gerne.
 
Meine Droge hiess Landskron. (Wort anklicken für mehr Info)
Ich glaube ich habe darüber schon mal geschrieben
bin mir jedoch nicht ganz sicher.
Egal...
 
Bei jeder Gelegenheit machte ich mich auf die Walz.
Ca. 10 Kilometer von unserem Wohnort,
lag diese Burg mit viel Geschichte.
Nie war jemand zugegen.
Warum? Keine Ahnung!
Denn für mich ist
und bleibt es der schönste Zufluchtsort meiner Jugend.
 
Nach einem steileren Aufstieg erreicht ich den Torbogen zur Burg.
Stieg den Turm hoch und setzte mich ganz Oben auf das alte Gemäuer.
Komisch, wo war da meine Höhenangst'
Wenn ich mir vorstelle wie meine Beine hoch oben ins Nichts baumelten,
wird mir beim Schreiben schon ganz anders.
Höhenangst...
Damals war es nur ein uninteressantes Wort aus dem Duden.
(Wikipedia gab es auch noch nicht - hihihihi)
Von Sicherheitsabsperrungen
oder Renovationen wie heute,
war weit und Breit noch nichts zu sehen.
Dafür rankten "Nielen" wie Lianen an den Mauern hoch.
Oft brach ich mir ein Zweiglein ab
um dies dann in luftiger Höhe zu rauchen.
Ich weiss - ungesund!
hahahaha!
 
Nur ich und die Burg und die Aussicht.
Ich konnte, wie dem auch heute noch ist,
bis tief ins Elsass und zum Schwarzwald blicken.
Atmete dort tief ein,
weil niemand irgendwelche Ansprüche an mich stellte
und genoss das sein mit mir alleine
und einem grandiosen Ausblick.
Stellte mir vor,
 wie ich auf den vorbeiziehenden Wolken in die Ferne reiten würde
oder wie Leute friedlich in den kleinen Häusern leben.
Ohne PAPA!
hahahaha!
 
Wie ich diese Burg entdeckt habe
oder wie ich dazu kam dort hoch zu gehen...
keine Ahnung mehr.
Egal!
Es war mein Balsam für die Seele.
Ich nahm nie jemanden mit,
Es war mein Schatz!
 
Im Notfall,
wenn ich aus Zeitmangel
oder Wettertechnisch meine Burg nicht besuchen konnte,
war das wohl doof
(du erinnerst dich - es war mein Lieblingswort)
Doch es war nicht wirklich schlimm.
 
Denn klug ist,
wer sich einen Plan B aus der Tasche zaubern kann.
Das habe ich durch meine Familiären Umstände schon früh gelernt.
Plan B war in meinem Falle (für mich) nicht weniger Attraktiv.
 
Da musste ganz einfach der Örtliche Friedhof mit meinem Besuch rechnen.
Ich setzte mich dann ähnlich wie auf der Burg,
mit gutem Ausblick wo hin
und beobachtete die seltenen Besucher.
Las die Namen auf den Grabsteinen.
Gab ihnen eine Beliebtheitswertung
oder rechnete aus wie langer jemand gelebt hatte.
Echt!
ich lernte das bessere Rechnen an diesem Ort.
Verglich Blumengestecke,
sah den Bienen und Hummeln zu,
oder wie sich jemand die Nase schnäuzte.
 
Fiel mein Besuch auf die späteren Abendstunden,
so kurz vor Dunkelheit...
beobachtete ich Ratten und anderes Getier,
dass sich an diesem Platz tummelte.
 
Gesucht wurde ich dort nie.
Denn wer dachte schon,
das die Tochter, Schwester oder Freundin
ihre Zeit entweder auf einer etwas entfernten Burg
oder auf dem Gottesacker verbringen würde.
 
Gott!
Die Zwiegespräche mit dem alten Herrn,
fanden nämlich an beiden Orten statt.
Denn an beiden fühlte ich mich ihm sehr nahe.
Ich als Schwarz als Schwärzer Erzogene Katholikin,
glaubte an "meinen Beschützer" von Oben.
Manchmal schimpfte ich mit ihm,
haderte und ganz selten verdrückte ich eine Träne.
Doch im tiefsten Innern glaubte ich immer,
dass er ein Auge auf mich richtete.
Was wäre ich ohne ihn gewesen? 
Ohne meine 2 Fluchtpunkte?
Ich hätte wohl einen 3. gefunden
hahahaaha!
 
Apropos!
Wenn ich nach meinen Ausflügen nach Hause kam,
glaubte mir nie jemand wo ich gewesen bin.
Gut! Das mit dem Friedhof erzählte ich auch nicht.
Nicht aus Scham - oder weil es sich seltsam anhört,
Nein! Weil zu Nahe am zu Hause.
Wollte partout nicht das plötzlich jemand aus der Familie dort auftaucht.
Meinen heiligen Ort entweiht.
hahahaha!
 
Vater war immer der Meinung,
 ich hätte mich bestimmt mit Jungs rumgetrieben
und drohte mir:
"Wenn ich dich erwische."
Doch was wusste DER schon von meiner wirklichen Vorliebe.
hahahahaha!
 
Viele Jahre später besuchte ich mit meinem Mann und Hund,
nach einer riesigen Abstinenz von mindestens 25 Jahren,
die Landskron wieder.
Sie schien mir irgendwie fremd.
Aber trotzdem schön!
Ich schaffte es nicht mehr über die steile Treppe auf den hohen Turm.
HÖHENANGST!
Musste ich aber auch nicht mehr.
Denn seit unendlich vielen Jahren brauche ich keinen Trostpflaster,
Jammer und Durchschnauf Turm mehr.
Also Willkommen liebe Höhenangst,
die mich nur schützen will vor dem "zu Hoch hinaus"
hahahaha!
 
Aber das ist ein anderes Thema
vielleicht zu anderen Geschichten.
Wir werden sehen!
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