Donnerstag, 30. März 2017

Wie man sich bettet....

Manchmal hört man einen Satz,
der einem die Erinnerungsmaschine anwirft
und man sich fragt:
"Wie war das bei mir."
 
So geschehen,
als ich vor etlicher Zeit meiner erwachsenen Nichte, 
mit einem Schulter hochziehen
und einem entschuldigenden Gesicht anbot,
bei uns "halt auf dem Sofa" die Nacht zu verbringen.
(wie verfügen über kein Gästezimmer)
 
"Das macht doch nichts"
So ihre Antwort aus einem strahlenden Gesicht
"Ich habe schon an ganz anderen Orten geschlafen,
da ist das direkt Luxus."
 
Warum ich bei diesem Satz mit schmunzeln musste,
erklärt sich mit der folgenden Geschichte.
 
Vor vielen Jahren schenkte ich meinem Mann zum Geburtstag eine Idee.
Und zwar jene...
mit unserer Enduro Maschine,
im Urlaub,
 das Französisch-/ Italienische Grenzgebiet...
 auf den einstigen Schmugglerpfaden zu befahren.
Er war hellauf begeistert.
Meine Broschüre dazu wurde in kürzester Zeit förmlich gefressen
und Pläne geschmiedet und notiert.
 
So fuhren wir an einem bewölkten Tag,
 auf dem vollbepackten Stahlross gegen Süden.
Mit im Gepäck für alle Fälle:
ein kleines Zelt,
Schlafsäcke, Gaskocher und Tütensuppe,
sowie eine obligate Büchse Ravioli.
Notfall Apotheke und Wasser.
 
Der Plan,
das Zelt wäre für Notfälle,
Wenn man mal keine Schlafunterkunft mit Dach finden,
oder das Motorrad im Gebirge liegen bleiben würde.
Wir fühlten uns wie auf einer Expedition.
 
Als es schon Dunkel wurde waren wir irgendwie....
mmmmhhhh...
in Italien....
auf einer kurvigen schmalen Strasse
und ausser unserem Lichtkegel des Motorrads,
war nichts zu sehen.
Es war "Zappen duster."
 
Da kommt bestimmt noch ein Haus,
rief mir mein Schatz nach hinten.¨
Dann fragen wir nach einer Unterkunft.
Denn wir waren uns einig,
zum Zeltaufstellen waren wir zu müde
und die Temperatur war auch,
na sagen wir mal,
etwas frisch.
Sehr frisch!
 
Es kam wie es kommen sollte.
Irgendwann standen wir vor einer Barriere mit einem Schild.
Darauf stand "Chiuso"
Glücklicherweise in unmittelbarer Nähe ein Steinhaus
und siehe da,
 welch ein Glück,
 "Zimmer mit Frühstück"
stand da in Italienischen Lettern.
 
Einige Zeit später schlurfte ein älterer Mann vor uns her
und öffnete uns in einem kleinen Anbau die Türe.
"So!" sagte er
"schlaft gut - Capitalisti"
So nannte er uns seit wir auf seine Frage antworteten:
"Wir sind Schweizer"
 
Das Licht im Einraumdomizil war sehr gedämpft.
Man konnte kaum was erkennen.
Ehrlich gesagt,
wir waren auch zu müde,
 um irgendwas an Entdeckungen zu unternehmen.
Wuschen uns rasch an einer Art Trog
und fielen dann müde ins Doppelbett.
"Das ist aber komisch"
sagten wir Beide fast synchron.
"Meine Beine liegen höher als der Kopf"
sagte Schatz
"Ja - bei mir auch"
entgegnete ich
"Ein sehr eigentümliches Gefühl...
aber vielleicht träumen wir besser wenn alles Blut in den Kopf steigt?"
frotzelten wir.
"Dreh dich mal auf die Seite,
so hält man es besser aus.
Ausserdem ist es seeeeeeehr Kalt
ich muss mich richtig einmummeln."
 
Dem war echt so...
Es war Schweine kalt,
die Bettwäsche klamm,
doch dafür roch sie frisch gewaschen.
So schliefen wir -
in dieser speziellen Schieflage irgendwann ein.
 
Am nächsten Morgen.
Ich kroch aus dem Bett
und öffnete im Pyjama die Türe.
Phaaaaa!
Was für eine Sicht!
 
Einige Meter nach der besagten Barriere,
 schlängelte sich ein Weg in eine Felswand. 
Den Blick nach Oben,
liess einen riiiiiiiiiesigen Berg mit Schnee erkennen.
Das Morgenlicht liess das Ganze wie in einem Heimatfilm:
"Mueter der Berg rueft!"
oder so...
wirken.
Irgendwie war hier die Aussage:
"Am A.... der Welt"
die treffendste.
 
Ein Blick in das Innere unserer Unterkunft,
liess uns nicht nur anhand der total weiss gefliesten Wände
und Boden erkennen,
dass wir in der Waschküche geschlafen hatten.
Der Boden total schief,
mit einer Wasserrinne der Wand entlang.
Und...
Was für eine Gaudi,
 muss es wohl für den Vermieter gewesen sein,
Capitalisti`s so untergebracht zu haben.
 
Beim Frühstück,
dass aus einem Brötchen und einem Kaffee bestand,
erklärten wir dem Herrn,
welcher viel zu viel für unsere Unterkunft verrechnen wollte,
denn schliesslich seien wir ja Capitalisti,
wie viel ein Brötchen,
ein Liter Milch oder Käse in der Schweiz kostet.
Wir liessen ihn mit einem
herzlichen Winken,
einem herzlichen Ciao
 und seinem ungläubigen Gesicht
zurück.
Setzten unsere Reise auf dem Motorrad fort,
Vorbei an dem Schild
Willkommen in der Region Aosta
 
 
 
 

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