Sonntag, 23. April 2017

Tessiner Clown (1.Teil)

"...und wenn Du dann Unten bist
und was brauchst,
guck doch erst mal bei Daniela vorbei."

Mit Unten war nicht mein Gemütszustand,
sondern das Tessin gemeint.
Daniela ist nicht eine Therapeutin,
sondern eine Ladenbesitzerin
und der Tipp kam von meiner Freundin L.
deren Ferienhaus wir benutzen durften.
Dies weil ich ihr Hilfreich zur Seite stehen konnte,
 als sie ein Problem plagte.

"Bleibt so lange ihr wollt,
und benutzt alles was ihr dort vorfindet.
Ohne schlechtes Gewissen."
so sagte sie weiter.

Natürlich habe ich sie beim abholen des Schlüssels,
 mehr als nur einmal gedrückt.
Denn ich war total aus dem Häuschen.
Das ich seit Jahren Tauschgeschäfte betreibe ist nichts Neues.
Eier gegen Muffins (wurde ja schon mal erwähnt)
Haareschneiden für eine Mitfahrgelegenheit,
oder Pflanze gegen Pflanze
(hahahaha)
Das letzte Projekt,
3 Holzwandelemente für meinen Garten,
gegen eine Bepflanzungsmöglichkeit an einem Haus.

Das mir und meinem Schatz, Plus Hund jedoch,
ein Ferienaufenthalt in einem Haus geschenkt wird
und dann das noch im allerseits beliebten Tessin,
das war wirklich die Krönung.

Ich war vorher noch nie in der Sonnenstube der Schweiz.
Doch...
 Gesagt - getan!
Was wir vorfanden war der Haaaaaaammer!
"Bleibt so lange ihr wollt."
Hätten wir den Satz umsetzen können,
so wären wir vielleicht Monate dort geblieben.
*hahahahaha!*
Doch zum guten Glück gibt es Verpflichtungen,
Jaaaaaaaa!
Stell dir vor!
Auch ich habe welche!
und mein Mann sowieso.
Ausserdem soll man es ja nicht gleich übertreiben.

Doch zurück zu Danielas Laden.
Dort marschierten wir nach einigen Tagen,
 tatsächlich über die Eingangsschwelle.
Ein kleiner Laden,
in einer Art Kellergewölbe.
Sieht so aus,
 als sei er mal zur Aufbewahrung von Wein genutzt worden.
Heute -
Ein Laden voller Gemüse, Obst
Tessiner Polenta und Reis,
Hauswürstchen und Alpkäse,
selbstgemachtem Gebäck
und viiiiiiiiiel Freundlichkeit.
hinter dem Tresen stand eine grosse,
blonde Frau die uns in einem typischen Bongiorno begrüsste.
Gefolgt von einem "Grüzi"
Ach man hatte so schnell durchschaut das wir Deutschweizer sind?
Natürlich!
Kein Problem -
 da mein Mann mit seinen blonden Haaren
 und den Sommersprossen
wirklich schlecht,
 als Südländer durchgehen kann.
*hahahaha*

Das musste Daniela sein.
Deren Vorname ich fragend an sie richtete,
da ich keinen Nachnamen wusste.
"Si - ja!"
Während dem ich Grüsse meiner Freundin ausrichtete,
 musterte mich Daniela von oben bis unten.
"Was ast du da?"
(ihr Deutsch erinnerte sofort an den Melitta Mann aus der Werbung -
"isch abe gar kein Auto")
Mit dem Finger zeigte sie auf meinen Arm.

Mmmmmhhhh!
Das alte Lied...
"Mist - schon wieder eine Erklärung."
Dachte ich.
"Was ist das?"
Sie zeigte immer noch auf meinen rechten Arm

"Der ist eingebunden"
Meine Antwort
"Ja - ich sehe!"
Ihre Antwort
"Warum? - was haben du gemacht?"

Ich kannte das schon.
Nenne ich es beim Fachnamen,
folgen in der Regel lange Erklärungen.
Dies weil mein Gegenüber sonst nicht weiss,
 um was es sich handelt.
Ich war in der Vergangenheit schon so weit,
dass ich einfach erklärte:
"Das ist eine lange Geschichte
und lange Krankheitsgeschichten sind langweilig."
Zog mich damit freundlich lächelnd aus der Affäre.
Bei der Kassiererin im Supermarkt,
beim Postboten,
bei Menschen an der Haltestelle,
im Bus,
Wenn ich mir es so überlege
Bei Gott und der Welt.

ICH MAG NICHT MEHR!
HIIIIILFEEEEE!

Da aber Daniela,
 eine Art Freundin meiner Freundin zu sein schien,
lag die Sache irgendwie anders.

"ich habe ein Lymphödem"
sagte ich kurz und knackig
und drehte mich auf dem Absatz um,
um irgendwie hinter dem Gemüse abzutauchen.

"Aaaaaahhhh!
Ich kenne!"
die drei Magischen Worte,
dass ich es dann doch nicht tat.
aaaaahhh!
Sie kannte es!
Was für ein Glücksmoment!
Ich atmete tief durch,
wie wenn einem ein Stein vom Herzen fällt.

"Meine Cugina aben das auch."
So Daniela

Cugina?
Küche?
Küche = Cucina
Ach!
Cousine!!!

Mein Gesicht musste sich erhellt haben,
Daniela strahlte zurück.
"io weiss was tu musst machen!"
Hob dabei ihren Arm
und begann zu winken.
"Ciao - Ciao - Ciao"
Du musst alle Leute...."
Dabei winkte sie weiter!

Wir lachten gemeinsam
und mir war klar,
sie wusste tatsächlich was ein Lymphödem ist.
Denn eine Therapieform besteht darin,
dass man den Arm hochlagert.

"du sehen -
Ciao ist gute Therapia und alle Leute Freude!"
frotzelte sie weiter.
Ciao - Ciao
Irgendwie kam sie mir plötzlich wie ein Krankenhaus Clown vor.
Du weisst schon?
Diese auf der Kinderabteilung.
Jene, welche glücklicherweise das Talent haben,
viel Licht mit Lachen zu Ernsten,
zum Teil,
zu Tod Ernsten Geschichten zum Besten zu geben.

Daniela war in dem Moment mein Clown.

Unterdessen hatte mein Schatz einige Leckereien
aus den Regalen in den Einkaufskorb gelegt,
verlangte noch Alpkäse,
Bezahlte
 und machte genau so einen gut gelaunten Eindruck,
 wie wir Frauen.

Später im Auto:
"Das war aber mal ne Nette Bedienung,
da könnte sich die eine oder andere Dame bei uns zu Hause,
 sich ein Stück davon abschneiden.
Und erst die Ciao Geschichte - Witzig!
Aber irgendwie hat sie recht!"

Ciao - Ciao!
Ich winkte tatsächlich einige Male auf der Fahrt zum Ferienhaus,
gut gelaunt und lachend,
 den Menschen am Strassenrand zu.

Doch wie du weisst...
 alles hat seine zwei Seiten

mehr darüber morgen,
wenn es heisst
Fortsetzung folgt!
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