Donnerstag, 25. Mai 2017

Spontanität 2

Fortsetzung vom Blog Eintrag 22.05.17
Spontanität kann die vielfältigsten Gesichter zeigen.
Und manchmal weiss man nicht ob ein Tun,
das Wort Spontan verdient,
oder ob es nicht eher als Schnapsidee,
Jugendlicher Leichtsinn oder Unüberlegtheit bezeichnet werden könnte.
In unserem Falle tippe ich nun eher auf die zweite Variante.
Wir sassen im Zug von Lausanne nach Brig.
Juhuuu!
Es ging in meine alte Heimat.
Das Wallis.
Meine Gefühle waren Euphorisch.
Wie gerne habe ich damals als Kind in Sion gelebt.
Gut! Ich gebe zu,
der Menschenschlag im Oberwallis (z.B in Brig) ist schon etwas anders,
als der im Unterwallis (ab Sion in Richtung Genfersee)
dort wirkt der Charme des Französischen im Leben der Menschen.
Und man geniesst das Sein eher mit einer Leichtigkeit.
Das "laissez faire" ist dort deutlich zu spüren.
Dies hat seine Vor- und Nachteile.
Egal!
Auf unserer Fahrt im Zugabteil,
kam mir doch tatsächlich die geniale Idee:
"Wir könnten meine Verwandten besuchen."
Was wie eine Frage verpackt wurde,
war in Wirklichkeit schon beschlossene Sache.
Mein Schatz kannte den ganzen Clan gar nicht
und mich -
mich hatten sie auch schon über 15 Jahre nicht mehr gesehen.
Doch das war mir so was von Wurst.
Ich hatte Lust auf Verwandtschaft.
Spontan halt.
*hahahahaha*
In Brig fand ich mich trotz der vielen Veränderungen gut zurecht.
Fand auf Anhieb den Laden meines Onkels,
in den wir auch strahlend eintraten.
Blimm Blimm
machte die Tür Glocke,
So wie ich sie vor unzähligen Jahren schon gewohnt war.
Das letzte mal als ich etwa 10 Jahre alt war.
Hinter dem Tresen stand eine kleine dürre Frau.
Ich stupste meinen Schatz an und flüsterte:
"Das ist meine Tante"
Die Frau blickte von der Kasse hoch
und mir etwas fragend in mein immer noch strahlendes Gesicht.
"Güete Dagg!
Kam es sehr distanziert.
"Hallo Tante Grittli"
Es war nicht zu übersehen,
dass ihr Hirn zu rattern begann.
Doch bevor sie was fragen konnte sagte ich:
"Ich bin es - Angel deine Nichte"
Keine Reaktion
"Die Tochter von...
Ich nannte den Namen meines Vaters.
Nun war der Groschen gefallen.
ich sah es ihrem Blick an.
mit Trippelschritten kam sie auf uns zu.
streckte mir ihre dürre Hand entgegen
und sagte:
"Hallo"
macht rechts umkehrt,
verschwand hinter dem Tresen
und rief nach Hinten:
"Euuuugeeeeen!!!
Komm mal."
Dann blieb sie einige Sekunden wie versteinert
um dann noch mal das selbe zu rufen.
Ich hörte die Schritte.
Onkel Eugen erschien auf der Bildfläche.
Mein erster Gedanke,
Mensch ist der alt geworden.
Dann überkam mich aber die Freude meiner super Überraschung
und ich strahlte ihm entgegen.
Tante Grittli -
die eigentlich Margrit hiess,
sagte zu ihren Mann:
"Schau mal wer da ist"
Er guckte wie sie zuvor - fragend und ratlos...
"Na! das ist Angel"
Er:
"welche Angel?"
Sie:
"Na die Tochter deines Bruders"
Er:
"Ah!"
reichte uns über den Tresen die Hand
und fragte:
"und wie geht es so"
Irgendwie hatte ich mir das alles ganz anders vorgestellt.
Doch es ist halt wie im wahren Leben,
oft anders als man denkt.
Ich stellte meinen Mann vor,
erzählte was ich so mache
und wie es der Familie geht.
"ok!"
sagte Onkel Eugen
"Du kannst nach oben gehen,
sie ist da"
Mmmmhhh!
"ja - in dem Fall..."
entgegnete ich etwas enttäuscht
doch tröstete ich mich insgeheim damit,
dass vielleicht bei ihr...
Tante Sophie
etwas mehr Freude über mein Erscheinen herrschte.
"Was war das denn?"
fragte mein Schatz,
nach dem wir den Laden verlassen hatten
und ums Haus gingen,
 um zu der nächsten Audienz zu gelangen.
"Das war meine Verwandtschaft"
*hahahahaha*
"Die sind halt so."
Antwortete ich
"Wenn wir Glück haben ist Toni da,
die ist nett"
 in Gedanken betete ich:
"Lieber Gott,
Lass Toni da sein.
Dann wird nicht alles ganz so schlimm."
Meine Tante Sophie -
von meinem Vater auch die kalte Sophie genannt,
war in meiner Erinnerung eine schlanke Frau mit pechschwarzem Haar.
Dieses trug sie ganz straff nach hinten gekämmt und zu einem Knoten gebunden.
Wie man das bei Flamenco Tänzerinnen sah.
Sie war immer und mit immer meine ich auch immer,
schwarz gekleidet.
Sie hatte immer einen sehr strengen Blick
aus Eisblauen Augen
und ich glaube ich habe sie noch nie lächelnd gesehen.
Ein schwarzer Stock mit Silberknauf war ihr Begleiter.
Mit diesem ging sie um den Essenstisch.
z.B. wenn man als Kind,
nicht mit Kerzengeradem Rücken auf dem Stuhl sass.
Klopfte mit dem selben an das Stuhlbein oder die Lehne
um mit einem strengem Ton zu erinnern:
"Setz dich mal gerade hin,
wir sind hier nicht bei den Bauern.
Wer will dich mal heiraten,
wenn du so Krummbucklig da sitzt!"
Wir waren nun im Treppenhaus,
als ich auf einer Stufe stehen blieb
und zu Schatz sagte - ganz spontan:
"komm lass uns abhauen!"
"Ne - ne!
Das ziehen wir jetzt durch.
Ich bin ja bei Dir."
"Ok!"
einige Sekunden später drückte ich auf den Klingelknopf.
Wieder hörte ich Schritte.
Oder war es mein Herz?
Denn dieses drohte aus meinem Hals zu springen.
Die Tür ging auf.
Eine grosse schlanke Frau,
in Schwarz,
 mit streng zusammen gebundenem Haar,
stand uns gegenüber.
"Toni"
sagte ich fragend
"Ja"
Antwortete sie
"ich bin`s Angel die Tochter von..."
ich hatte nicht fertig ausgesprochen,
 streckte sie mir freudig die Hand entgegen.
Liebe Leserin, Lieber Leser,
sich drücken,
 in der Familie meines Vaters,
ist schier unmöglich.
Also eher ein no go!
Egal!
Toni - die Adoptierte Tochter von Sophie
und so alt wie meine Mutter,
 freute sich anscheinend wirklich.
"kommt rein"
flüsterte sie
"Sophie ist alt geworden,
sie mag nicht mehr so,
ich gucke mal ob sie auf kann."
Damit war sie verschwunden.
Ich atmete tief durch.
guckte zu Schatz und sagte mit einem Schulterzucken:
"Das ist meine Verwandtschaft"
Er lächelte mich an
und drückte meine Hand.
Wie gut das tat,
ihn an meiner Seite zu haben.
Toni - die heute so aussah,
wie meine Tante Sophie früher,
erschien mit einer alten Frau in Schwarz
und an einem Stock gehend.
Ihr Haar war mehr grau als schwarz
und ihr Gesicht fahl und eingefallen.
Doch an ihren Augen hätte ich sie unter 100erten heraus erkannt.
Der Rest ist rasch erzählt.
Sie wollten wissen
- was mein Schatz arbeitet
- ob er gut verdient
- wer seine Eltern sind
ob er Geschwister hätte
- ob wir Kinder haben
und
- ein Haus besitzen
vielleicht habe ich bei dieser Check Liste etwas vergessen.
Egal!
Nach 15 Minuten standen wir auf jeden Fall wieder vor dem Haus.
Wir waren uns einig:
"Gut! das wir da waren,
doch ein 2 mal mussten wir uns das nicht geben."
*hahahahaha*
"Menschen sind halt verschieden,
doch so,
 wollen wir NIE werden."
sagte Schatz
Auch da waren wir uns einig,
vor allem als ich ihm erzählte was für ein Freigeist Toni einst war
und wie sie sich verändert hatte.
Sie sind alle so festgefahren
und auch wenn mein Vater mit seinen Geschwistern....
man könnte doch trotzdem dessen Tochter,
also mir, etwas Freundlichkeit entgegen bringen.
Egal!
und abgehakt...
wir wollten uns nach diesem Erlebnis weiter
auf unsere Weiterreise konzentrieren
und machten uns wieder auf den Weg zum Bahnhof.
Unterwegs kam mir in den Sinn,
dass wir in einer Metzgerei Hauswürstchen und Roggenbrot,
eine Walliser Spezialität,
 als Mitbringsel für unsere Katzennanny kaufen könnten.
Gesagt - getan!
Mit diesen bestiegen wir die nächste Bahn...
nach....
und wo ganz spontan die Reise hinging?
Das erfährst du schon Bald!
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