Dienstag, 30. Mai 2017

Spontanität 4...

Fortsetzung vom 28.05.17
 
"nächster Halt Luzern"
sprach es in 3 Sprachen aus dem Lautsprecher.
Wir verstauten die letzten Snickers Verpackungen
und Dosen im Abfallkübel des Abteils.
"Die Überreste unsere Lebensretter"
grinste ich Schatz an.
"nun bin ich ja mal gespannt was uns Luzern zu bieten hat."
 
Das war ich wirklich.
Schliesslich hatte diese Stadt bei mir so einiges gut zu machen.
Denn vor Jahren verbrachte ich eine Nacht in dieser Stadt.
Ein kuscheliges Hotel entpuppte sich als Horrorhaus.
Das Zimmer schien uns (einer Freundin und mir) auf den ersten Blick sauber.
Bis wir Abends die Decke beiseite schlugen um ins Bett zu gehen
und vor uns ein fleckiger Leintuchbezug lag.
Mit Haaren verschiedenster Körperregionen unserer Vormieter.
Igith!
Nicht genug...
nach unserem Entschluss dieses Fixleintuch abzuziehen
und ein grosses eigenes Handtuch darauf zu legen,
krabbelten in der Matratzenfalze dreist ganze Wanzenfamilien.
Auf dem Teppich vor dem Bett entdeckten wir Tierchen die sprangen
und bissen sich in unsere Waden fest.
Flöheeeeeeeee....
Alleine beim Gedanken daran,
 juckt es mich nun schon wieder überall.
Iiiiiigith!
Das Hotelpersonal war auffindbar.
Wir konnten im ganzen Haus niemanden finden,
 um unsere Beschwerde los zu werden.
Dafür wurde uns bewusst,
dass wir in einem Haus voller Gäste waren,
die Nachts eingesperrt ihren Schlaf verbrachten.
Denn der Besitzer schloss ab 22:00 das Hotel ab
und verschwand in den Feierabend.
Kein Notausgang,
Keine Türe die offen gewesen wäre um im Brandfall zu entkommen.

So stiegen wir mit unseren Habseligkeiten aus einem Fenster im Parterre
um die Nacht erst in einem kleinen Restaurant zu verbringen
und anschliessend auf einer Parkbank am See sitzend,
bis der erste Zug nach Basel fuhr.
Kratzend und juckend fuhren wir nach Hause....
schworen uns Luzern nie mehr besuchen zu wollen.

Später erfuhren wir,
dass dieses Wanzenhotel gar keine Zulassung mehr hatte um Gäste zu beherbergen.
Wenn wir was dagegen unternehmen wollten,
z.B. auch eine Entschädigung erwarten würden,
sollten wir uns schriftlich an den Hotellerie Verband richten.
Das taten wir dann auch,
erhielten jedoch nie mehr wieder eine Antwort.

Ok - Tempi passati

Nun stand ich doch wieder in dieser Stadt
und das mit ganz schön gemischten Gefühlen.
Ein sauberes Hotel war rasch gefunden.
Ok - Das Zimmer mit einem guten Preis glich einem zu kleinen Schuhkarton.
Doch zum Schlafen sollte es reichen.
Unsere Habseligkeiten im Raum deponiert,
machten wir uns auf,
 um diese vielgepriesene Stadt zu erkunden.
Mittlerweilen war es Dunkel,
Musik, verkleidete Menschen mit bemalten Gesichter,
liessen uns erkennen,
 dass wir uns mitten in der Luzerner Fasnacht befanden.
Es war richtig toll und eine gute Stimmung.
Wir assen eine Wurst vom Grill
schunkelten zur Musik
und sogen den Zauber dieser Luzerner Stimmung ein.

Unsere Nacht verlief dann etwas unruhig.
Türe zu schlagen,
Geschrei und Sprachfetzen in einer fremden Sprache,
liess uns immer wieder aufschrecken.
Es war so unruhig.
Im Flur ein kommen und gehen wie im Bienenschlag.
Heute weiss ich,
dass wir wahrscheinlich,
 die einzigen Schweizer Gäste im ganzen Hotel waren.
Denn am Morgen,
auf der Suche nach dem Frühstücksbuffet,
fuhren wir ungewollt mit dem Aufzug...
 einen oder waren es zwei Stockwerke...
 zu weit runter.
Als sich die Türe öffnete blickten wir in unzählige Asiatische Gesichter.
Sie sassen in einer Art Luftschutzkeller...
Halt - das war der Luftschutzkeller,
an langen Tischen zum Frühstück.
Ein Hotelangestellter drückte uns in den Lift zurück
und versuchte uns den Blick zu verwehren.
Wir blickten uns an:
"Was ist denn das für eine Abfertigung hier?"
sagte Schatz
in dem Moment ging die Lifttüre wieder auf.
Jemand wollte zusteigen.
Auch ein Asiate.
Dabei blickten wir für Sekunden über einen Flur in ein Gästezimmer.
In diesem Schuhschachtelzimmer standen 2 oder waren es 3 Hochbetten.
Auch für die Asiatischen Gäste.
"Was die wohl für einen Eindruck,
 von der Schweizerischen Gastfreundschaft mit nach Hause nehmen?"
sagte ich zu Schatz.
"Das ist schier unglaublich.
Das sieht ja aus wie im Strafgefangenen Lager."
entgegnete er mir.
Ich konnte ihm nur zustimmen.
Unser Frühstücksbuffet an das man uns hinbegleitete,
war in der gewohnten Schweizer Norm.
Mit Bedienung - riesen Buffet und genügend Getränke.
Als wir das Hotel verliessen,
sahen wir wie die Japaner in mehrere Busse verfrachtet wurden.
Jeder trug ein "Fressbeutel" mit Sandwich und Getränk bei sich.
Ich konnte mir nicht helfen.
Es machte keinen guten Eindruck.

"So genug Spontanität!"
sagte Schatz
"Genug Luzern"
meinte ich
Guckten uns an und waren uns einig:
"der nächste Zug nach Basel"

"Der fährt in genau in 6 Minuten"
rief Schatz mir zu,
packte mich am Handgelenk
und rannte mit mir los.
Damit endete unsere Spontan Reise so,
wie sie begonnen hatte.
"es war nett..."
sagte Schatz
"Doch nächstes mal nehmen wir den Hamburg Zug"
Ich antwortete
"Oder den nach Mailand"

Doch alles kam ganz anders...
Blut geleckt nach Spontanreisezielen führte uns unser Urlaub dann nach....

Aber das ist eine andere Geschichte.
Die gebe ich dann irgendwann,
 ganz Spontan zum Besten.
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