Montag, 22. Mai 2017

Spontanität...

Ist die Spontanität ein Privileg der Jugend?
Oder wird es einem gar in die Wiege gelegt?
Wird sie mit zunehmendem Altern weniger?
 
Bei uns - Schatz und mir ist es zumindest etwas,
dass abwechselnd immer wieder mal erscheint.
Auch wenn ich zugeben muss,
dass sie etwas weniger wurde als früher.
Die Spontanität
 
Früher...
mmmmhhhh...
Beispiel gefällig?
 
Da hatten wir mal 3 Tage gemeinsam Frei.
Eine Seltenheit,
denn meistens beschränkten sich unsere arbeitsfreien Tage auf den Sonntag.
Bei Schatz noch den Samstag
und bei mir der Montag.
Luxus!
meinten wir strahlend
Wahrer Luxus!
 
Was tun mit ganzen und vor allem für uns unglaublichen 3 Tagen.
Ich weiss heute nicht mehr wer auf die Idee kam.
Doch fanden wir uns beide mit je einer Tasche auf dem Bahnhof wieder.
ach ne -
 Schatz hatte einen Rucksack -
weil er es damals so männlich fand,
 mit dieser Art von Gepäck unterwegs zu sein....
*hahahahah*
So wie seine stets karierten Hemden.
*hahahahahaha*
 
Egal!
Auf dem Bahnhof war für uns klar,
der nächste Zug wird der unsere sein.
Den Satz:
"Egal wohin der fährt."
war wohl ausgesprochen worden,
doch manchmal gehört zur Spontanität auch,
dass man Sätze einfach streicht.
Dann nämlich wenn der Kopf sagt:
"Dazu reichen die 3 Tage nicht aus"
 
In diesem Falle stand auf der Anzeige Tafel.
Basel - Hamburg
 
"ne - dazu nehmen wir uns mal richtig Zeit"
sagten wir uns einstimmig.
 
"Also - aber den nächsten nehmen wir nun wirklich"
uch! ich erschrak über meine eigenen Worte,
Zumal ich mir vor der riesigen Anzeige Tafel plötzlich ganz Klein vorkam.
Da stand ja die halbe Welt drauf...
(auf unserem kleinen Bahnhof in Basel,
wenn ich da an Frankfurt oder so denke)
*hahahahaha*
Ich hatte grosse Worte gesprochen,
die galt es nun einzuhalten.
 
Doch um weiter nachzudenken kam ich gar nicht,
denn ich wurde plötzlich an der Hand gepackt
und Schatz rief:
"renn"
ich tat wie mir geheissen,
ohne zu wissen wohin nun die Reise gehen würde.
 
Im Abteil - die doch immer irgendwie einen Eigengeschmack aufweisen
und alles immer etwas gedämpft wirkt,
sassen wir uns gegenüber.
Grinsten,
schnaufend wie zwei Pferde nach dem Galopp,
 uns über alle Backen an.
Als hätten wir die Welt erobert.
Doch dabei ging die Fahrt...
"na - wo fährt der denn überhaupt hin?"
So meine Frage
 
"Fribourg - Freiburg"
Die knappe Antwort von Schatz.
Dieser begann sich häuslich einzurichten.
Zeitung vom Nebenabteil auf Sitz gegenüber
und Füsse hoch.
Globetrotter halt!
*hahahahaha*
 
"Da wollte ich schon immer mal hin.
sagte ich freudig
"Da hat mein Papa studiert.
Weisst Du er sollte doch Pfarrer werden,
doch dann ist er...."
 
Schatz verzog sein Gesicht.
"Hab ich schon mal erzählt?!"
Meine Frage war eigentlich eher eine Feststellung.
Und ein bisschen enttäuscht war ich schon,
weil ich meine Geschichte nicht zum besten geben konnte.
 
Schatz schmunzelte,
weil er mich zu gut kannte.
Schwupps!
 war meine gute Laune wieder auf Angenehm geknipst
und die Trotzunterlippe verschwunden.
 
"Nächster Halt Fribourg - Freiburg"
hiess es durch den Lautsprecher.
Nachdem wir Bern vor kurzem passiert hatten.
Alles rasch zusammen gepackt,
standen wir wenige Minute später auf dem Perron.
 
Wir guckten uns an und ich weiss noch wie ich sagte:
"hier gefällt es mir aber gar nicht.
So ein unsympathischer Bahnhof."
Packte dabei die Hand von Schatz
und Ratz Fatz waren wir mit dem Anpfiff vom Bahnhofswart,
 wieder in dem uns bekannten Eisenbahnwagon von vorhin.
 
"Wo fährt der nun hin?"
fragte ich immer noch etwas verdattert über meine eigene Spontanität
Schatz seine Füsse auf die schon vorbereitete Zeitung von vorhin legend...
"Ich glaube nach Lausanne"
"Ok! Dann schauen wir mal ob es dort etwas sympathischer ist"
 
Liebe Fribourger,
ich weiss - man kann einen Ort nicht nach einem Bahnhof beurteilen.
Doch es war der Bauch und nicht der Kopf der damals entschied.
*hahahahaha*
 
Wie der Bahnhof von Lausanne aussah?
Weiss ich heute auch nicht mehr.
Wahrscheinlich nicht Attraktiver als der von Fribourg.
Doch musste wir doch irgendwo mal aussteigen.
 
An was ich mich erinnere ist...
dass wir, nach meinem Gefühl,
Stundenlang durch die Stadt schlenderten.
Ich mit meiner Tasche - er mit Rucksack.
hahahahaha
Gingen über lange Treppen und Schleichwege,
Hinterhöfe und Gassen,
knipsten Fotos, machten Spässchen und Fang mich,
 bis wir plötzlich mitten in der Stadt vor einem grossen Hotel standen.
"Es wäre an der Zeit"
*hahahaha*
Ich muss nun lachen,
weil genau dieser Satz hat sich bei Schatz bis heute so zu sagen konserviert.
Egal wo wir sind,
ab einem gewissen Zeitpunkt des Tages spricht ER diesen Satz.
Ich muss mich gar nicht kümmern,
er ist mein Hotel such Zeit Ansager.
*hahahahaha*
 
Ok!
Gesagt sei...
Das Hotelzimmer war super modern eingerichtet.
Trotzdem kuschelig und vor allem sehr sauber.
Doch der Preis an der Tür...
...Du kennst doch bestimmt auch die Schilder an der Rückseite der Zimmertür.
Diese pösen - pösen Schilder.
Also zumindest das Lachen war uns kurzzeitig vergangen.
"Mensch - Lausanne ist aber ein teures Pflaster"
Darin waren wir uns einig.
"ok - Schneckchen,
hier können wir uns kein Nachtessen leisten.
Das ist klar."
Sagte und zog dabei einen Müsliriegel aus dem Rucksack.
 
Den teilten wir uns dann.
Doch das dieses "Nachtessen" nach solch einem Tag
und Nachmittags nur ein kleines Sandwich und Apfel nicht ausreichte,
das kannst Du Dir denken.
 
Zur Ablenkung alberten wir erst etwas rum.
Dann guckten wir Fernsehen.
"Das ist ja fast so schlimm wie kein Essen."
Gemeint war - die Programme waren nur in Französisch.
Eine Qual für Schatz.
Dann hören wir doch lieber Musik.
Trinken Wasser - Wasser - Wasser...
 
Bis ich dann so gegen 22:30h Theatralisch gekrümmt auf dem Bett lag
und mit weinerlicher Stimmer rief:
"Ich habe huuuuuuuuuuunger!"
 
Schatz - ein Mann der Tat,
verschwand mit dem Worten:
"Bin gleich wieder da,
mach niemandem auf, ausser mir."
Um dann eine halbe Stunde später,
 klopfend an der Zimmertüre zu stehen.
 
Sein Gesicht sah ich nicht.
Dafür 2 grosse Tüten mit dem M und dem Donald drauf.
Du kennst Die bestimmt auch?
 
Es enthielt alles was mein hungriges Herz begehrte.
Sogar an meine heissgeliebte Apfeltasche hatte er gedacht
Wir assen im Bett,
kamen uns vor wie die Könige von Lausanne
und lachten uns schief,
beim Gedanken,
 wo wir die Verpackungen in diesem Luxus Hotel,
 überall verstecken könnten.
 
Das es nicht unsere beste Nacht wurde kannst Du Dir bestimmt denken.
Mit vollem Magen lässt es sich nicht wirklich so gut schlafen.
Doch wurde das nicht zum Thema gemacht,
denn wir waren einfach Happy!
 
Wie unsere Reise weiterging erfährst Du schon Bald.
Doch gesagt sei...
Die Verpackung wurde in die diversen Papierkörbe des Zimmers gedrückt.
Dann rasch gefrühstückt und Lausanne verlassen.
"Das bevor das Zimmerpersonal den Raum zum reinigen betritt."
Lachten wir und spazierten zum Bahnhof um dort in gleicher Manier:
"den nächsten nehmen wir, egal wo er hinfährt"
zu sagen und auch diese Worte einzuhalten.
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