Mittwoch, 21. Juni 2017

Sommer Talk...

Heute Sommerbeginn mit im Moment aktuellen 33 Grad.
Da kommt mir doch eben diese wahre Geschichte in den Sinn.
 
Stell Dir vor.
Mit dem Motorrad im Süden von Frankreich in Richtung Spanien unterwegs.
Es ist unheimlich heiss.
Wir befinden uns auf einer langen geraden Strasse.
Autos rauschen an uns vorbei.
 wir sind schon lange Unterwegs.
Vor einiger Zeit hatten wir das letzte Wasser aus der Flasche im Gepäck getrunken.
Riechen seit Stunden den heissen kochenden Asphalt. 
Am Himmel eine Szene wie aus einem Endzeitfilm.
Es zeichnet sich nämlich in der brütenden Hitze ein kommendes Gewitter ab.
Es ist schon so Dunkel,
dass man das Gefühl bekommt es sei schon spät Abends.
Dem ist jedoch nicht so, es ist gerade mal gegen 18:00h
Die Lichter der Vorbeifahrenden Autos blenden.
Ich bin sehr müde und ich habe Durst.
Mein Schatz hat über Funk seinem Freund mitgeteilt:
"Hugo - kommen...
Hugo - kommen...
Augen auf nach einer Unterkunft!"
Hugo, unser steht`s hinter uns herfahrender Freund antwortet:
"Roger - verstanden und aus!"
Das haben die Männer ja super gemacht, denke ich mir zum x Mal.
Die Rede ist davon, dass wir 3 miteinander über Funk verbunden sind.
Jedoch die korrekte Benutzung ist nur den Männern vorbehalten.
"Schatz, es geht nicht anders..."
Sagte Mann am Abend vor der Abfahrt.
"Irgendwie klappt es einfach nicht egal was ich tue.
Aber sei nicht traurig du hörst ja alles mit,
nur mitsprechen kannst du halt nicht."
 
"ok"
dachte ich erst
"kann ja passieren, schliesslich ist Schatz kein Funkexperte."
Wäre da nicht das doofe Grinsen von Schatz und Hugo gewesen,
das mich dann doch sehr misstrauisch machte.
"Aber was soll`s" dachte ich,
 "lass ich halt den Jungs ihren Spass."
So lange ich hören kann was sie besprechen,
ist alles halb so wild.
Das ich zwischendurch beim zuhören des Männertalks,
 mal rausgekickt wurde, steht auf einem anderen Blatt
und wurde nach einigen klaren Worten von mir,
den Rest des Urlaubes tunlichst unterlassen.
 
Zurück zu der Szenerie auf der Route Richtung Spanische Grenze.
Da sahen wir für Sekunden,
 auf dem Pannenstreifen,
 2 Personen welche ihr Motorrad schoben. 
Schatz kurze Info an Hugo und stieg zeitgleich in die Bremsen.
"Hugo - die brauchen Hilfe"
Ich klopfte von hinten auf seinen Helm,
machte mit der Hand Zeichen in Richtung Ohr.
Er zuckte mit der Achsel
und im Rückspiegel konnte ich sehen das er verstanden hatte...
Viel zu laut -
"Ok Baby"
also wurde nicht leiser gestellt,
sondern einfach rausgeklickt.
Es brauchte auch keinen Funk mehr.
Schatz sprach so laut,
 dass ich jedes Wort durch den geschlossenen Helm verstehen konnte.
Doch ehrlich,
 auch wenn ich das nicht gekonnt hätte,
ich hätte trotzdem gewusst was nun folgen würde.
Denn ein eisernes doch ungeschriebenes Gesetz von uns besagt:
"Motorradfahrer Kollegen in Not wird wenn möglich immer geholfen."
 
Ok!
Unser Stahlross wurde auf dem Pannensteifen zurück geschoben.
Hugo liess sein Motorrad stehen und kam schlendernd mit Zigarette daher.
Bei den in Notgeratenen,
handelte es sich um ein Paar welches zu unserem Leitwesen aus Portugal kam.
Später stellte sich heraus, dass die hübsche junge Frau war jedoch eine Spanierin.
Nutzte allerdings auch nicht,
da wir weder das eine noch das andere sprachen.
Mit Händen und Füssen versuchten sie uns ihre Lage darzustellen.
Bald war geklärt das es nicht an Benzinmangel lag.
Doch jedes weitere Wort wurde nicht verstanden.
Hugo versuchte es mit einigen Brocken Englisch.
Schatz hängte sich mit genau so wenig guten Englisch Kenntnissen dazu.
Und mit genau so einem unvollständigen Englisch,
 kamen die Meldungen der Portugiesischen Spanier zurück.
Ok! So konnte wenigstens einiges geklärt werden.
Ein Fachmann - ein Motorkundiger musste her.
Hugo und Schatz erklärten mir,
 dass ich nun an der Reihe sei in Französisch,
 dem Pannendienst an der roten Säule hierher zu beordern.
"Oh Gott!
Jungs seit ihr Wahnsinnig?
Ich kann doch diese Fachausdrücke nicht."
meinte ich etwas in die Ecke gedrängt fühlend
"Egal ob du das kannst oder nicht...
es wird dir schon das richtige einfallen."
Ich mochte es nicht wenn Schatz so mit mir sprach.
Doch alles gezicke nutz nun herzlich wenig,
denn ich wusste genau,
 aus der Nummer komme ich nicht mehr.
 
Was soll ich sagen,
nach einer halben Stunde,
in der wir Wasser von dem netten Paar bekamen
und in Zeichensprache und Stückchen Englisch
 damit verbracht hatten
und gegenseitig so einiges zu erzählen,
kam dann endlich der Pannendienst.
Ein grosser kräftiger Mann stieg aus.
"nun musst du ihm auf Französisch erklären,
 wie das Motorrad zum Stillstand kam."
Ich wurde etwas nach vorne geschubst,
so wie als Kind,
 wenn es galt etwas unangenehmes den Eltern zu berichten.
Alle Blicke richteten sich auf mich
und genau diese setzten nun alle Hoffnung in mich.
Oh Gott!
es war wirklich so und stand sofort fest,
 der nette Herr konnte oder wollte nur Französisch.
Schatz und Hugo auf Englisch,
zu mir in Deutsch
und ich in einem einigermassen Französisch,
 und mit viel Hand und Fuss zum Pannenmensch.
 
In dem Moment hielt ein Motorrad neben uns.
Ein Typ klappte das Visier des Helms auf und fragte lässig:
"tutto bene? - Hai bisogno di aiuto?
Wir guckten uns alle grinsend an
und ich dankend winken:
"No! Grazie!"
Also Italien brauchen wir nun bei dieser ....
Portugiesisch-, Englisch-, Deutsch-, Französischen Connection nicht auch noch.
 
Als die ersten grossen Tropfen fielen
und die Blitze am Horizont immer näher kamen,
wurde das defekte Motorrad auf den Anhänger des Pannenfahrzeugs geladen.
Das Paar aus Portugal machte es sich nach einer Verabschiedung wie unter Freunden,
derweil im Auto gemütlich.
Wir im Gegenzug machten uns auf,
endlich eine angenehme Unterkunft zu finden.
Eine wo wir uns nach den Kilometern in der Hitze,
 für weitere Kilometer erholen können.
Wo wir in dieser Nacht schliefen weiss ich nicht mehr.
Doch diese Geschichte wo keinen den andern so richtig verstand
und trotzdem alles klappte,
bleibt mir wohl unvergessen.
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