Dienstag, 25. Juli 2017

Geister...

Vor einigen Tagen schrieb ich von den Klassenfahrten
und dabei kam mir auch folgende Erinnerung.
 
Es war das erste Mal,
 dass ich mit meinen Mitschülern in eine Art Ferienlager fahren durfte.
Es war nicht so einfach,
das Verhältnis zwischen ihnen und mir.
Schliesslich war ich die Fremde,
jene welche erst kurz in dieser Schule ging
und zudem einen komischen Dialekt sprach.
Kam hinzu,
 dass ich ausserhalb der Schuldstunden,
 keine Zeit mit meinen Klassenkameraden verbringen durfte.
Da beide Elternteile Berufstätig,
musste ich mich um meine 10 Jahre jüngere Schwester kümmern.
Doch auch wenn ich nicht als Nanny dieses Kleinkinds hätte agieren müssen,
es hätte aus 2 Punkten nichts daran geändert.
Nummer 1 -
Es gab immer Arbeiten die zu erledigen waren.
Denn um Kostengünstiger zu wohnen,
hatten meine Eltern das Amt des Hauswartes,
 für 2 Wohnblocks mit 4 Eingängen angenommen.
Doch die meiste Zeit ausser Haus,
 musste Notgedrungen gewisse Arbeiten auf die Kinder abgewälzt werden.
So putzte ich die Treppenhäuser,
reinigte die grossen Eingangsscheiben,
mähte Zeitweise den Rasen
und musste aber ganz sicher und Stundelang,
das Unkraut zwischen dem Weissdorn,
welcher rund um das Grundstück wuchs, entfernen.
Mit dabei am Hosenbein (oder besser gesagt im Kinderwagen9
meine kleine Schwester.
Abends nach den Hausaufgaben und Abendessen,
setzten wir uns mit Mama an den Tisch
und klebten Stundenlang mit Azeton Blüten,
Schleifen und Glückskäfer auf 100erte von Haarspangen.
Heimarbeit war ein riesen Thema bei uns zu Hause.
Erst waren es Lampenschirme,
dann irgendwann Kleinstteile für irgend ein Gerät
und später dann die Haargummis und Spangen welche verschönert gehörten.
Heute weiss ich, dass diese Sklavenarbeit kaum was einbrachte
und das was an Geld herein kam,
 in Form von Alkohol in Papas Kehle floss.
Oder er bestellte unnötige Dinge in Katalogen.
Die schönen Bücher mit den tollen Bildern wie ich sie nannte,
waren gerade neu auf dem Markt und eroberten die Haushalte
und auch die Kauflust meines Papas.

Nr. 2
Es wurden bei uns (wie schon oft erwähnt)
keine Gäste über die Türschwelle gelassen.
Keine Kindergeburtstage, keine Spielnachmittage
und keine Kaffeekränzchen.
Ich erzähle das nicht um meine Eltern schlecht zu machen,
eher damit Du Dir vorstellen kannst,
was für mich eine Woche mit fremden Kindern bedeutete.
Es war irgendwie wie ein Erlebnis auf einem fremden Planeten.

Mit Fremden Menschen Essen,
mit vielen Menschen am Tisch,
nirgends alleine,
keine wirkliche Aufgabe zu haben.
Freizeit zu geniessen.
und...
vor allem den Schlafraum mit etwa 20 Mädchen zu teilen.
Massenschlag wurde das genannt.
Wie treffend,
denn das Ganze erschlug mich fast.
Das ganze Getümmel, Gewusel und
die Lautstärke musste ich erst mal verdauen.

Die erste Nacht war eine Katastrophe,
Monika weinte weil sie ihre Eltern vermisste.
Andauernd musste wer aufs Klo.
Jemand hatte Durst
und wiederum andere kicherten
 und plapperten bis in die frühen Morgenstunden.

In der 2. Nacht schlichen sich einige Jungs aus dem Nebenraum zu uns
und erschreckten die Mädchen.
Es wurde so laut geschrien,
dass sich plötzlich die Bodenklappe öffnete
und von einem hellen Lichtstrahl beschienen,
 erkannten wir das Gesicht unseres Lehrers.
Dieser wenig erfreut über die Situation faltete uns verbal zu recht
und als alle wieder geordnet in ihren Betten lagen,
verschwand er lautlos über die steile Treppe (eher eine Leiter)
nach unten und schloss die Klappe.
Damit lag wieder der ganze Raum im Dunkel.
Nur durch ein Fenster schien etwas Mondlicht.
Genügend,
dass wenn daran gewohnt,
 man sich doch etwas orientieren konnte.

Ich ahnte,
es würde nicht lange dauern bis das Gewusel wieder seinen Anfang nehmen würde.
Um denen entgegen zu wirken sagte ich:
"Hey! Was haltet ihr davon wenn jeden Abend jemand anderer eine Geschichte erzählt?"
Es zahlte sich irgendwie aus,
 dass ich Erfahrung in Problemlösungen bei "Nachtruhestörung" hatte.
Meine kleine Schwester kam auch am ehesten zur Ruhe wenn ich ihr Märchen erzählte.
Oder etwas vorsang.
Doch letzteres wollte ich meinen Kolleginnen nicht zumuten.
hahahaha

Die meisten der Mädchen waren begeistert
und als ich dann den Vorschlag brachte,
dass ein Thema mittels Abstimmung eruiert werden könne,
waren alle Stimmen auf meiner Seite.
"Aber du beginnst heute damit"
sagte Sandra und die anderen stimmten ihr zu.
"ok - was wollt ihr hören"
fragte ich
Irgendjemand aus dem dunklen Raum sagte:
"eine mit Geistern"

"Jaaaaaaa... eine mit Geistern - eine Geistergeschichte"
riefen alle wild durch einander.
"Also - es war einmal"
so begannen alle Geschichten von mir.
Ein kleiner Trick,
 um einige Sekunden nutzen zu können,
 um den Anfangsfaden der Geschichte zu greifen.
Ich erzählte und erzählte...
ich weiss nicht mehr genau was...
auf jeden Fall kamen Geister drin vor
und im Raum war es Mucksmäuschenstill.
Im Schein des Mondlichts sah ich wie sie in ihren Klappbetten sassen.
Den Blick in meine Richtung und mir gespannt zu hörten.

Plötzlich ein Schrei -
"Hilfe mich hat was berührt"
Es war Augenblicklich,
 als hätte man mit einem Stock in eine Ameisenhaufen gefasst.
Die Mädchen schrien wie am Spiess und kreischten.
Versteckten sich unter ihren Wolldecken
 oder rannten durchs Zimmer und schrien
"ein Geist - ein Geist"
Ich suchte nach einem Lichtschalter.
Vergebens - unterdessen rief ich
"Ganz ruhig - es ist kein Geist"
Ich bekam das Ganze gar nicht unter Kontrolle.
Egal was ich tat.

Plötzlich knarrte es
und die Lucke im Boden öffnete sich.
Es war Augenblicklich totenstill.
Ganz langsam erschien eine Gestalt.
Sie trug ein langes weisses Gewand.
Plötzlich fingen die Mädchen wie die Irren an zu schreien.
Nun schrie auch ich!
bis....
Eine Taschenlampe in den Raum zündete.
Ein Geist mit Lampe - dachte ich,
das gibt es nicht.
Und da löste sich auch schon die Situation...
"Hopp alle in eure Betten
und ruhe jetzt."
Bei einigen dauerte es einige Zeit bis sie erkannten,
dass die Frau des Lehrers im Raum stand
und für Ordnung sorgen wollte.
Auch das dauerte ewig,
denn unterdessen weinte Monika und Sibylle weil sie nach Hause wollten.
Andere flüsterten:
"die sah aber wirklich aus wie ein Geist"
"ich hab gedacht es käme ein echter Geist"

Die Frau des Lehrers war nun mehr als genervt,
sprach Drohungen aus.
Von WC schruppen und 20 Kilo Karotten schälen,
und zu guter Letzt war sogar von nach Hause schicken,
die Rede.
Ausser Monika und Sibylle,
die Beiden müssten bleiben.
Ach! War mir diese Frau mit den langen blonden Haaren
und dem hässlichen weissen Nachthemd plötzlich unsympathisch.

Was soll ich sagen,
die Drohungen waren kein Erfolgsrezept,
die Geschichten wurden Nachts zusammengereimt und erzählt.
Geister wurden aussen vor gelassen,
Dafür waren plötzlich junge Ritter und Helden gefragt,
die verrückte Aufgaben machen mussten um eine schöne Frau zu erobern.

Doch das war nur eine Verzögerungstaktik,
denn der ganze Radau ging erst danach so richtig los.
Dadurch waren wir Morgens regelmässig müde.
Karotten wurden zur Strafe geschält,
und WC`s geputzt.
So auch Zwei Schüler nach Hause geschickt.
Regula und Peter,
die wurden nämlich eines Morgens friedlich schlafend in einem Bett erwischt.
Und...
Monika und Sibylle wollten Ende der Woche nicht mehr nach Hause.
Im Gegenzug zu mir.
Ich war froh aus diesem Affenstall,
 wieder in meinen anstrengenden doch gewohnten Trott
und zu meinen Geschwistern zurück kehren zu können.
Heisst es nicht die Macht der Gewohnheit.
Diese hatte mich anscheinend fest im Griff.
Hauptsache ruhig und ohne 20 hysterisch pubertierende Mädchen.
hahahaha 
Kommentar veröffentlichen