Hobbyraum...

"Man könnte Angel eine alte Zahnbürste geben
und sie würde Kunsthandwerklich etwas tolles herstellen."
 
Das war zumindest die Meinung von Bruno,
unserem Etagennachbar. Ein Herr in den 50igern,
Angestellter bei einer Bank
und über Jahre waren er und seine Frau für uns da,
wenn es Notwendig war.
Wir ebenso für sie.
 Wir waren Freunde.
 
"Du solltest richtig Platz für dein Hobby haben."
sagte er mir eines Tages
"wie wäre es wenn du eine speziellen Raum dafür hättest?"
 
Ich zuckte mit den Achseln.
"hätte ich schon gerne,
aber in diesem Haus ist alles besetzt
unter anderem von Dir." 
Bruno lachte.
"Ja genau - doch ich habe gedacht ich könnte ihn aufgeben,
oder besser gesagt Dir übergeben wenn Du ihn möchtest."

Und ob ich wollte. 
Diese Nachricht war wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen.
doch was war mit Brunos Sachen.
"Ach weisst du Angeli"
sagte der sonst eher raubeinige Mann liebevoll
"Meinen Whiskey kann ich auch im Wohnzimmer trinken
meine Boote im nun leeren Kinderzimmer aufstellen
und die Bücher wo auch immer angucken."
Brunos Sohn war vor kurzem ausgezogen.
 
Doch Bruno hatte sich einst besagten Bastelraum angemietet,
weil er sich dort unten,
hin und wieder in seine Männerhöhle zurückziehen wollte.
An seinen Modellschiffen rumbasteln
eine Zigarre rauchen und sich ein Gläschen genehmigen.
Doch laut seiner Aussage,
 machte er dies seit der Umsetzung seines Wunsches nie wirklich. 
"Ich fühle mich in meiner Männerhöhle einsam."
Wir lachten wieder - denn es hörte sich echt lustig an.
 
Einige Wochen später war es tatsächlich so,
der Vertrag wurde auf mich umgeschrieben.
Bruno war mit seinen Schiffen und Flaschen,
der Bar, den Büchern und den Cigarren ausgezogen
und ich begann die Wände zu streichen.
 
In einem sanften Gelb - eher Pastellig.
Das machte den Quadratischen Raum freundlicher.
Denn durch das kleine Fenster kam kaum Licht.
Dafür montierte ich einige Lichtquellen.
Spots die gewisse Bereiche hübsch hervor hoben.
Schatz liess mir eine grosse Tischplatte zuschneiden,
an der ich endlich richtig arbeiten
und auch mal alles liegen und stehen lassen konnte.
Und dann wurde mein altes Omaküchenmöbel
 mit meinen fertigen Artikeln bestückt.
 
Damals sprach noch niemand von Vintage oder Shabby,
doch viele Elemente wiesen diesen Look auf.
Selbst ausgesucht in Trödelläden,
abgelaugt,
neu gestrichen oder verziert...
erinnerte es stark an meine einstige Dachwohnung.
 Die voll im Stil der 50iger eingerichtet war.
Ich fühlte mich in diesem Kreativrefugium richtig gut.
Eine Thermoskanne mit Tee oder Kaffee,
sowie mein Rot weiss gepunktetes Service
kamen bei Besuch zum Einsatz.
 
Meine Besucher waren zugleich meist Kunden.
Denn seit den letzten Marktbesuchen wurde ich des Öfteren angefragt,
ob man bei mir auch Bestellungen aufgeben könne.
Natürlich konnte man -
so wurde alles was mir Spass machte
und für mich machbar schien, angenommen.
 
Ich führte Buch,
mit den Angaben - Adressen und den Ausgaben für besagte Dinge.
Das machte mit das spätere anschreiben eines Preises einfacher.
Denn es fiel mir immer noch schwer etwas für meine Artikel zu verlangen.
Das Verschenken lag mir einfach näher.
Also ehrlichkeitshalber muss ich sagen,
dass sich das nie gelegt hat.
 
Die Liste meiner kreativen Umsetzungs Möglichkeit war lang.
Gott - hatte mir wirklich viel Talent geschenkt,
das musste ich selbst immer wieder erstaunt feststellen.
(Dies sage ich voller Demut und nicht um anzugeben)
 
Ich fertigte Ketten mit eigens kreierten Anhängern.
Sowie Broschen, Manschettenknöpfe und Ohrringe.
Strickte Kinderpullover,
 mit ausgedachten,
aber vor allem lustigen Motiven.
Immer in tragfeinen und angenehmen Materialien.
Malte Seidentücher, Krawatten und Kissenbezüge.
Fertigte besondere Geschenkartikel an.
Zog Kerzen, gestaltete Speckstein...
später gesellte sich die Arbeit mit Ton dazu.
Daraus machte ich kleine Elfen und Zwerge,
 an und auf Schalen,
Tassen oder Vasen.
Erweckte Puppen zum Leben.
Es gab Markttage an denen führte ich auch selbst Eingemachtes.
Knoblauch - Confiture - Gurken usw. mit.
Die hübsch verzierten Gläsern mit gehäkelten Deckelchen.
So wie der Sirup in bemalten Flaschen,
waren der Renner.
Der eine oder andere Kunde reservierte Telefonisch schon im Vorfeld. 
Oder fragte, wenn ich wann wieder anzutreffen sei.
Verwendete Materialien die andere wegschmissen,
wurden von mir zu verschiedenen Dingen umgestaltet. 
Da war das Wort Recycling noch gar nicht geboren.
(Soll sich auch nicht überheblich anhören - es war eben so)
 
Deswegen der Eingangs Satz von Bruno,
von wegen Zahnbürste und so...
 
Uff!
Die Liste meiner Arbeiten war endlos.
Doch damit das Ganze einen roten Faden erhielt,
gab ich mir immer ein Thema vor und danach richtete sich dann alles.
Die Kunden wurden mehr und mehr.
Es sprach sich rum wie ein Feuerchen,
dass irgendwo entzündet wurde.
Doch ich nahm immer nur die Arbeiten an,
 welche ich auch 100% erfüllen konnte.
Schliesslich hatte ich meinen Kunden gegenüber eine Verpflichtung.
 
Und dann erblickte an einem Marktstand Tag,
 eine Frau das Shirt, das mein Mann trug.
Das Shirt mit einem Motiv von Harun.
"Ich möchte auch ein Shirt mit meinem Hund drauf"
sagte sie sehr direkt
"Was brauchen sie dazu - der Preis ist egal."
 
uch!
Hatte ich bis Dato schon immer Hunde von Freunden gemalt.
Auch hin und wieder von Bekannten aus dem Hundesport.
Doch jemand Fremder hatte mich noch nie angesprochen.
 
"Also - ich müsste ein gutes Foto haben
die Grössen Angabe für das T-Shirt
und die Wunschfarbe."
Sagte ich etwas zögerlich
 
"Ich gehe rasch nach Hause und hole das Foto,
ich bin gleich wieder da."
sagte die Dame bestimmend und verschwand.
Sie kam wieder.
War von dem Resultat einige Tage später so begeistert,
dass sie mit lachend sagte:
"junge Frau - ich habe einen grossen Freundeskreis...
machen sie sich auf etwas gefasst."
 
Was soll ich sagen,
ab da brummte der Laden...
nach und nach erhielt ich Fotos mit
Hunden, Katzen, Schildkröten, Pferden,
Hamster, Meerschweinchen...
Ein ganzer Zoo - wenn ich mich nun so zurück erinnere.
Aus der ganze Schweiz erhielt ich Anrufe mit Nachfragen.
"Wie sind sie auf mich gekommen."
Gehörte zu meiner Standard Frage 
und da bestätigte sich das Sprichwort:
"die Welt ist ein Dorf"
 
Ein Kundin wollte eine ganze Baby Erstausstattung mit ihrem Hund drauf.
Jemand Bettwäsche mit einem Marsupilami ähnlichen Comictier.
Frau Doktor kam immer mit Lieblingsteilen an,
auf welche ich Motive malen durfte.
Blumen, Kinder oder Pferde,
Das besondere -
auf Flecken die sich nicht mehr entfernen liessen.
hahahaha!
 
Was für ein Glück das ich "nur"
60% in einem Geschäft angestellt war.
So konnte ich lange Zeit Haushalt - Hund & Mann...
Reihenfolge sagt nichts über den Beliebtheitsgrad aus - hahahaha!
mit Hobby unter einen Hut bekommen.
 
Doch irgendwann musste ich eine Warteliste führen.
Ich dachte erst die Kunden würden abspringen,
wenn ich diese in Anspruch nehmen würde.
Doch sie warteten geduldig.
Nicht nur auf das bemalte,
sondern auf alle Vorbestellungen.
 
Was für eine Zeit...
 
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