Augenblick...

Der Augenblick ist das was zählt, dass ist die Erfahrung welche ich gestern erneut machen durfte. Folgendes hat sich zugetragen.
Ich stand in der Küche, trocknete die neugekauften Einmachgläser ab und war in Gedanken schon beim befüllen dieser. Eine gewisse Vorfreude machte sich breit. Schatz hatte nämlich nach längerer Wartephase, ein Regal geschreinert, dass ganz genau in eine bestimmte Nische in der Küche passt. Dazu mehr, wenn ich es angemalt habe und bestückt. Versprochen!
Mein Blick wanderte immer wieder durch das grosse Fenster in den Garten. Es schien wie immer. Die Meisen und das Eichelhäher Pärchen pickten an den an verschiedenen Orten aufgehängten Nussstangen. Der Specht klopfte einmal mehr am Standbein des Futterhauses.
Oh je – dachte ich kurzzeitig, der sorgt mit seiner Eigenheit tatsächlich für Schatzes nächste Aufgabe. Nämlich, die Standbeine müssen nach der Wintersaison unbedingt erneuert werden. Herr Specht leistet wirklich gute Arbeit.
Beim wiederholten hinausgucken, fiel mir auf, dass kein Vogel mehr zu sehen war. Komisch dachte ich. Legte mein Tuch und das Glas beiseite und ging näher ans Fenster. Mein Garten schien wie ausgestorben. Tot! In dem Moment entdeckte auf dem Eingangsbogen über dem Gartentor ein etwas grösserer Vogel, mit riesigen aufgerissenen Augen. Sein Blick schweifte in Richtung Futterhaus. Oh Oh! Das ist kein Körnchenpicker, das ist einer der Fleischfressenden Sorte. Der möchte doch tatsächlich sich am Futterhaus mit Frischfleisch bedienen.
Schnell rannte um meine Kamera zu holen. Oh nein! Nun ist das falsche Objektiv drauf. Doch zum Wechseln habe ich echt keine Zeit, sonst ist er weg. Ich wollte doch unbedingt ein Bild von dieser hübschen Kreatur.
Uff! Geschafft! Ich stand wieder am Fenster, versuchte mich so wenig wie möglich zu bewegen und knipste was das Zeug hielt. Immer in der Hoffnung, dass dieses Makro Objektiv doch auch einige gute Fotos liefern würde und die Distanz mir keinen Strich durch die Bilder macht.
Schau selber was dabei herausgekommen ist.

Der Vogel änderte einige Male seine Aussichtsstelle. Ich verfolgte ihn dabei von Fenster zu Fenster. Nun gestehe ich – erst dachte ich: «nein – meine kleinen Vögel kriegst du nicht! ich komm raus und verscheuche dich»
 
Doch in dem Moment als wir uns direkt in die Augen guckten, war es so wie ein bisschen Liebe auf den ersten Blick. Ich wusste, das ist auch Natur. Die zeigt sich nicht immer wie wir sie möchten. Der Kreislauf besteht aus, fressen und gefressen werden. Und schliesslich tötet dieser schöne Vogel nicht aus Bosheit… nein – er muss jeden Tag auch für sein Überleben kämpfen. Ob ich das nun traurig finde oder nicht. Er hat Hunger!
 
 
Nebst all diesen Gedanken überkam mich ein wahnsinnig wohliges Gefühl der Dankbarkeit. Das ich genau zum passenden Moment dieses Wesen entdecken und sehen durfte. Es ist für mich jedes Mal wie ein Geschenk. Der Zauber seiner Anwesenheit dauerte nur wenige Minuten. 3 Mal *Kik – Kik – Kik gerufen und weg flog die *Kleine*.
 
 
Ja richtig – es ist ein Sperber Weibchen das als neuer Gast unseren Garten aufsucht. Das stellt sich zum Schluss durch die *Wer weiss es* Gruppe im Internet heraus. Dort platzierte ich ein Bild und wenige Minuten später meldete sich ein Christian (den ich nicht kenne) und klärte mich auf.
 
 
Abends lag ich im Bett – guckte mir die Bilder auf meinem Ipad nochmals an, war nicht nur happy über das Ergebnis meiner Kamera mit den vermeintlich falschen Objektiv, sondern war ---- welches Wort passt da wohl am besten? Seelig, glücklich, dankbar .... ich glaube ich nehm alle drei!!! *hihihihi*
Was für ein Glück diesen Augenblick nicht nur mit dem Auge, sondern auch mit der Seele einfangen zu dürfen. Bilder die bleiben, auch wenn sie schon längst vom iPad gelöscht wurden und trotzdem auf der Festplatte in meinem Gehirn, wahrscheinlich für immer haften bleiben.
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